Arbeitsgruppe Jobmigranten: „Pablo zwischen Pinkel und Paella“

So könnte die Themenseite zu europäischen Arbeitsmigranten in der eigenen Region aussehen. Foto und Nachzeichnung: Dudeck

So könnte die Themenseite zu europäischen Arbeitsmigranten in der eigenen Region aussehen. Foto und Nachzeichnung: Dudeck

Die Wirtschaftskrise Europas zwingt Massen von Menschen ihre Heimat zu verlassen, um in der Fremde einen Job zu finden. Es gibt kaum eine Region in Deutschland ohne Arbeitseinwanderer – ein lokales Thema, an dem sich auch die Situation des Arbeitsmarktes in Europa erklären lässt.

Eine Gruppe von Lokaljournalisten hat sich bei der bpb-Redaktionskonferenz „Europa lokal“ überlegt, wie solch eine Themensonderseite in der Zeitung aussehen könnte.

Der Themenkomplex europäischer Arbeitsmarkt und Migration am Beispiel von spanischen Arbeitseinwanderern in der Region

Die Arbeitsgruppe war sich schnell einig, daß sich zwei Sonderseiten für eine Zeitungsbeilage auch im Lokalteil lohnen – und in einer knappen Stunde kam eine komplette Stoff-Sammlung zusammen.

Diskutiert wurde immer wieder die Frage, welche Aspekte im Zusammenhang mit Zuwanderern, die in der Region leben, tatsächlich auch im Vorfeld der Europa-Wahlen relavant sind – im Lokalen. Ein Teil der Arbeitsgruppe argumentierte, daß im Prinzip alles von EU-Ebene sich auch auswirkt auf die regionale/lokale Ebene – der andere Teil sah bei einigen Themenvorschlägen eher das Argument im Vordergrund, daß für „Europa“ der Politikteil zuständig sei.

Am Ende des Abends aber stand für die Redakteure unserer beiden Sonderseiten fest: Beim zweiten Blick auf viele Themen sind gerade im Lokalen reichlich Themen von europapolitischer Relevanz zu erkennen.

Erläuterungen zur Themenseite (siehe Skizze):

Pablo ist Ingeneur aus Spanien. Er erklärt im Hauptartikel, wie er über die Behörden nach Deutschland gekommen ist und warum, wie das mit der Sprache ist, ob seine Berufsbildung anerkannt wird, ob es ihm hier gefällt oder ob es ein Kulturschock ist.

Kurztext links: Spanien in der Region – Gastronomie, Supermärkte, spanisches Kulturzentrum, spanische Partnerstadt.

Glosse links: Marotten Spanier/Deutsche/Region

Aufsetzer samt Grafik (ausländische Arbeitskräfte in der Region): Wie die Region von Spanien profitiert – Recherche bei Industrie- und Handelskammer, Arbeitsagentur, Handwerkskammer. Wie viele sind im letzten Jahr in die Region gekommen, welche Branchen suchen besonders stark, welche Hürden gibt es? Wie verläuft der Kontakt zu den EU-Behörden? Helfen die?

Fakten rechts unten: EURES Europaweite Stellenbörse (Arbeitsvermittlungsagentur z.B. in Hannover), an wen wende ich mich als Arbeitnehmer und Unternehmer?

Interview rechte Randspalte: „Siesta tut uns allen gut“ – Unternehmer erzählt von der Zusammenarbeit, kulturellen Eigenheiten, Einstiegsfrage: Haben sie die Siesta eingeführt?

Eine Themensammlung:

Der Spanier in Wolfratshausen- (der Stierkämpfer in der Besamungsstation)

*warum gekommen?

* Biografie?

* welche Hürden?

*Mentalitätsunterschiede?

* Kontakte- zu Spaniern und Deutschen?

(Form evtl. Interview)

 

Der neue Chef:

*Warum ?

*welche Erfahrungen?

* Welche Hürden?

 

Infokästen:

Kontakte, Ansprechpartner bei  Verbänden; Eures;  Zahlen; Sprachkurse; Berufsabschlüsse (Synpose)

 

Glosse zu kulturellen Differenzen:

„Brezen und Brioche“; „Paella und Pinkel“

 

Spanien in Wolfratshausen:

Gastronomie; Kfz;  Supermärkte;

 

Erklärstück: welche Rolle spielt die EU bei der Freizügigkeit? Zwischenbilanz?

Brain drain – hochqualifizierte Fachkräfte verlassen ihre Heimat und folgen besseren Arbeitsangeboten woanders der deutsche Arzt in England, der slowakische Arzt in Deutschland

Porträts: der Arzt und die Prostituierte (beide aus dem gleichen Land eingewandert)

 

Problematische Verhältnisse:

Saisonarbeiter in der Landwirtschaft, Fleischindustrie, Prostitution, Bau, Pflege

Weitere Fragestellungen:

  • Was macht Deutschland als Arbeitsmarkt attraktiv/unattraktiv?
  • Auswanderer/Rückkehrer – Was haben Deutsche im Ausland erlebt?
  • Moderne Sklaverei in der EU

 

Recherchewege:

Dank des Seminars und einiger konkreter Beispiele der Referenten, zogen die Teilnehmer das Fazit: Es lohnt sich, bei Europaabgeordneten und EU-Einrichtungen auch mal auf Verdacht nachzufragen, welche EU-Richtlinie und welches Gesetze sich auf regionaler Ebene wie auswirken.

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