Die Wahrheit ist im Lokalen

Vogel_und_KorteÜber den journalistischen Tellerrand blickten nach der Kaffeepause zwei Fachleute aus der Politik. Karl-Rudolf Korte – der Theoretiker von der Uni Duisburg Essen. Und der Praktiker: Arnsbergs Bürgermeister Hans-Josef Vogel. Beide brachen demonstrativ eine Lanze für den Lokaljournalismus, mit harten Thesen untermauerten die warmen Worte.

Politikwissenschaftler Korte machte die Bedeutung und Herausforderungen des Lokaljournalisms an vier Punkten fest:

  1. Der Lokaljournalismus ist Qualitätsgarant für die Demokratie: Denn Journalismus ist rechenschaftspflichtig, zustimmungspflichtig und begründungspflichtig: All das kann und muss eine Lokalredaktion leisten und so die Qualität der politischen Kommunikation innerhalb einer Gemeinde oder Region verbessern.
  2. Lokaljournalisten müssen auf die neue Beteiligungsarchitektur reagieren: Jeder Bürger hat ein Stück Stuttgart 21 vor seiner Haustür – der Geist ist aus der Flasche und kann nicht mehr zurückgeholt werden.
  3. Der Lokaljournalismus kann einen Ausweg aus einer gespaltenen Öffentlichkeit anbieten: Wenn Sie die Bürger verstehen, überbrücken Lokaljournalisten den Spalt zwischen Politik und der Lebenswirklichkeit.
  4. Der Lokaljournalismus besitzt gute Instrumente, um auf zentrale und moderne Befindlichkeiten der Menschen zu reagieren: Denn diese suchen Orientierung in allen Bereichen ihres Alltags – das wichtigste ist es, dass die Menschen das Gefühl haben, an der Kommunikation und den Entscheidungen beteiligt zu sein.

Die Nähe des Lokaljournalisten zu seinen Lesern ist im Idealfall ein Vorteil, auf dem sie ihre Autorität behaupten und aufbauen können. „Das Glück würde ich mir nicht nehmen lassen“, appellierte Korte und übergab an den Bürgermeister der Stadt Arnsberg.

Impulse entstehen im Lokalen

Auch Hans-Josef Vogel glaubt daran, dass die Bedeutung des Lokaljournalismus wachsen wird. Denn die Vielfältigkeit menschlichen Lebens im 21. Jahrhundert findet vor allem lokal statt und kann auch nur dort gestaltet werden. „Der Zentralstaat ist mit der Vielfalt und den Potentialen vor Ort überfordert“, sagt Vogel. So entstehen gesellschaftliche, ökonomische und technologische Innovationen nur in der Kommune.

Etwas überraschend musste ausgerechnet Blogger-Guru Sascha Lobo für einen potentiellen Richtungschwenk herhalten. Vogel zitierte Lobo damit, dass Journalisten sich als Kontextmaschinen verstehen müssen und ihrer DNA bewusst werden und Ordnung in einer im Umbruch befindlichen Gesellschaft stiften. Einordnen, bewerten, kommentieren – welcher Journalist das nicht längst tut, sollte schnell damit anfangen.

Die gute Nachricht, die Vogel den Kollegen vom Podest schickte: „Dass die Zeitung als Gemischtwarenpaket nicht verkaufbar ist, daran glaube ich nicht.“ Auf allen Ebenen forcieren Zeitungen die Stadtgespräche und moderieren sie. Und die Politik, die lernt daraus.

 

 

 

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