Europa lokal – wertvolle Geschichten erzählen

Antonio Tajani, Vice-President of the EC in charge of Industry and Entrepreneurship gives a statement on the Toy Safety Campaign

Verbraucherschutz ist eines der populärsten EU-Themen im Lokaljournalismus: EU-Kommissar Antonio Tajani erklärt der Presse die alljährliche Kampagne für sicheres Spielzeug. Foto: EU-Kommission 2012

 

Die Europawahl im Mai 2014 treibt bereits jetzt Lokaljournalisten bei Radio und Tageszeitung um. „Europa lokal“ ist die erste Redaktionskonferenz der Bundeszentrale für politsche Bildung (bpb), bei der Radio- und Zeitungsmacher gemeinsam Konzepte entwickeln werden. Ihr Ziel: Praxistaugliche Modelle für Redaktionen, um Themen der Europäischen Union ganz konkret, lokal herunterzubrechen. Das Kompaktseminar startet am Mittwochnachmittag in Offenburg und läuft bis Freitagmittag.

Hier im drehscheibe-Blog zeichnen wir die Thesen und Diskussionen nach. PDFs der Gastbeiträge und der ausgearbeiteten Konzepte stellen wir online. Klinken auch Sie sich ein und schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen per Kommentar unter die Beiträge, twittern Sie mit #EUlokal oder nutzen Sie die drehscheibe-Seite auf Facebook.

Zum Programm:

Wie sag‘ ich’s meinem Leser/Hörer? – die Arbeitsgruppen

Wie erkläre ich dem Bürger daheim komplexe Gesetzte, an denen Parlament, Kommission und Rat in Brüssel und Straßburg feilen und zerren? Denn was auf europäischer Ebene beschlossen wird, wirkt sich immerhin bis in die kleinste Kommune aus. Es geht also alle etwas an.

Es stellt sich die Frage, wie viel Macht das EU-Parlament in diesem Gesetzgebungsprozess wirklich hat und welchen Einfluss dabei die Abgeordneten der heimischen Wahlkreises haben. Und wie funktioniert überhaupt die Europawahl? Eine der drei Arbeitsgruppen des Seminars entwickelt ein Wahlkonzept für die Redaktion mit Themen, Zeitplan und Recherchequellen.

Eine weitere Journalistengruppe sucht Recherchewege, die uns intesive Geschichten und wichtige Hintergründe zu Migration, Reise- und Arbeitsmarktfreiheit und Armutswanderung liefern. Sie gestaltet Themenseiten und plant eine Europasendung für den Hörfunk.

Wo werden genetisch veränderte Pflanzen angebaut und wo landen sie im Essen? Welche Konservierungsmittel sind in der Wurst, wo kommt das Fleisch her? Welches Spielzeug ist wirklich sicher? EU-Verbraucherthemen ziehen immer, denn sie sind ganz nah am persönlichen Leben, da hören selbst europamüde Bürger genauer hin. Für den interessanten Dreh findet die dritte Arbeitsgruppe Ideen, Recherchewege und Ansprechpartner.

Werkstattberichte aus Redaktionen

Am Donnerstagnachmittag packen Gäste aus Radio- und Tageszeitungsredaktionen ihre Werkstattberichte mit konkreten Beispielen aus: „Wie viel Europa wählen wir?“ unter Kollegen wird die Pflicht und Kür in der Wahlberichterstattung 2014 beratschlagt. Cai Rienäcker vom SWR, Uwe Wollgramm von Euranet Network und Christian Kucznierz von der Mittelbayerischen Zeitung stellen ihre Konzepte vor – und zur Diskussion.

Hintergrundwissen aus erster Hand

Jede Menge Hintergrundwissen werden die Journalisten von Gästen der Redaktionskonferenz abfragen. „Grenzenlos gut!?“: Aus dem gemeinsamen Zentrum der deutsch-französischen Polizei in Kehl berichtet Alexander Ulmer am Donnerstagvormittag. Und Norbert Mattusch kommt aus der Stabsstelle für grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Agenturen für Arbeit Offenburg und Freiburg.

Was Brüssel taugt, wird Staatsministerin Margit Conrad (SPD) mit den Journalisten diskutieren. Sie führt die Vertretung des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund und der EU.

Aus seinem Alltag am Rhein berichtet Ortenaukreis-Landrat Frank Scherer (parteilos), er ist gleichzeitig Präsident des Eurodistrikts Straßburg-Ortenaukreis. Ob es dort grenzenlose Kommunalpolitik gibt, wird sich im Gespräch herausstellen.

Und auch die, um die es im Frühjar bei der Europawahl geht, kommen zu Wort. Gespräche mit drei Mitgliedern des Europäischen Parlaments rahmen die Veranstaltung ein. Zum Start trifft der Europaabgeordnete des EU-Parlaments Matthias Groote (SPD) die Journalisten zu einer Diskussionsrunde im Straßburger Europaparlament.

Und über Visionen, Perspektiven und lokale Botschaften eines endlich einigen Mitmach-Europas sprechen die Lokaljournalisten mit der sozialdemokratischen Europaabgeordneten Evelyne Gebhardt und ihrem Kollegen von der CDU, Andreas Schwab, zum Abschluss der Redaktionskonferenz am Freitagvormittag.

 

Kommentar (1)

  1. Ein schöner Workshop, dem ich im Interesse der Sache viel Erfolg wünschen würde. Trotzdem bleibt immer ein fader Nachgeschmack, wenn solche Themen immer mal wieder kampagnenartig möglich werden, sobald wieder einmal eine Europawahl ansteht und die Politik ihren Denkzettel fürchtet. Ich könnte als Zeitzeuge eine kleine Geschichte der Europa-Fortbildungsaktivitäten seit den 80er Jahren schreiben, die diese Strohfeuereffekte und den mangelnden längerfristigen Erfolg aufzeigt. Auch in besseren Zeiten des Lokaljournalismus ist es nie gelungen, Redaktionen auf diesem Gebiet zu Kontinuität zu motivieren und zu befähigen. Wenn ich die Mediensituation und die politische Großwetterlage richtig einschätze, stehen die Chancen schlechter denn je. Das macht, wie gesagt diesen Workshop nicht sinnlos – für jeden einzelnen Teilnehmer kann es ein großer Gewinn werden. Dieser wäre noch größer, wenn es (vom Programm offenbart nicht vorgesehen) gelänge, den national geprägten Blick auf Europa zu überwinden und aus europäischer Perspektive einmal die Aktivität unserer Politiker in den Blick zu nehmen. Das ist in meinen Augen das größte Problem: In Sachen EU täuschen und lügen unsere Politik, was das Zeug hält. Sie können es sich leisten: Kontrolle durch kritischen Journalismus findet höchst selten statt.

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