Kurzinterview mit… Jana Klameth, stellvertretende Chefredakteurin der Freien Presse Chemnitz

Jana-Klameth-1Frau Klameth, Sie sind seit 27 Jahren Journalistin in Sachsen – können Sie sich noch an ihre erste Geschichte im rechtsextremistischen Milieu erinnern?

Das muss in den 90er Jahren gewesen sein, als darüber gesprochen wurde, die SSS (Anmerkung: Skinheads Sächsische Schweiz) zu verbieten. Wir waren damals in der Redaktion unsicher, wie wir mit Rechtsextremismus umgehen sollten und mussten uns erst an das Thema herantasten. Einmal sind wir so richtig auf die Nase gefallen, als wir ein Streitgespräch zwischen einem Neo-Nazi und einem Gegner abdruckten. Das hat schlicht nicht funktioniert. Seitdem haben wir nie wieder ein Wortlaut-Interview veröffentlicht.

Sprechen Sie denn mit denen?

Natürlich, aber die Wortlaut-Zitate werden immer eingeordnet, damit man Zusammenhänge klar machen kann. 2005 habe ich einen Artikel über ein Treffen mit den Jungen Nationaldemokraten veröffentlicht, in dem ich die Situation beschrieben habe, dass nur der Vorsitzende reden durfte. Die Jugendlichen, die anwesend waren, hatten Redeverbot. Das sagt schon viel aus.

Sie sind stellvertretende Chefredakteurin von 19 Lokalzeitungen. Haben Sie Leitlinien für die Berichterstattung über Rechtsextreme?

Es gibt nichts Schriftliches, aber schon Grundsätzliches: Über Rechtsradikale berichten wir analytisch, die NPD behandeln wir nicht wie andere demokratische Parteien – wir nennen zum Beispiel zwar die Kandidaten mit Namen, stellen ihr Programm aber nicht vor. Aber natürlich ist bei uns das Thema NPD permanent aktuell, weil die ja im Landtag sitzen und sehr kommunikativ sind und wenn das Thema auf der Agenda ist, muss man es natürlich anfassen. Wir haben jedoch die Regel, dass es für Themen zu Rechtsextremismus einen publizistischen Anlass geben muss. Es muss also für den Leser nachvollziehbar sein, warum wir gerade heute das Thema im Blatt haben.

Das Redaktionsgebäude der Lausitzer Rundschau wurde nach der kritischen Berichterstattung über Nazis beschmiert, Redakteure wurden bedroht. Gab es derartige Vorfälle bei der Freien Presse auch schon?

Wir haben im Mantel einen Kollegen, der sich schwerpunktmäßig mit dem Thema beschäftigt. Körperlich angegriffen wurde er noch nie, aber im Netz hat man schon versucht ihn einzuschüchtern. Wir haben eher die Erfahrung gemacht, dass Rechtsradikale gegenüber Journalisten zurückhaltend sind.

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