Lass das mal die Jungen machen

Volontierende der Volksstimme (Magdeburg) haben zur Landtagswahl 2016 in Sachsen-Anhalt das Projekt  „Triff Deine Wahl“ ins Leben gerufen. Ein Angebot speziell für junge LeserInnen. Wir haben mit Katharina Buchholz, damals Volontärin und Projektleiterin, gesprochen.

Katharina, wie ist das Projekt „Triff Deine Wahl“ entstanden?

Jeder Volojahrgang hat sein eigenes Projekt und da die Landtagswahl vor der Tür stand, war relativ schnell die Idee geboren, dass wir Volos diese mit einem Social-Media-Projekt begleiten. Der Gedanke dahinter war auch, dass wir Jungen so die Chance bekommen, uns mit dem Thema Landespolitik auseinanderzusetzen. Sonst sind Interviews mit den SpitzenkandidatInnen etc. ja eher den „Älteren“ vorbehalten.

Wie sah eure Umsetzung genau aus?

Wir haben einen eigenen Account auf Facebook und Twitter gehabt. Da wir aber auch einen Rücklauf auf die Webseite der Volksstimme haben wollten, haben wir die Jugendseite, die es ohnehin gibt, einmal in der Woche komplett mit Wahlthemen bespielt. Wir sind dann auch noch einen Schritt weitergegangen und haben ein Online-Dossier mit eigenem Shortlink angelegt. Das Tolle daran war, dass wir hier gestalterische Freiheiten hatten, zum Beispiel eine eigene Bilderstrecken-Box. Darauf haben wir in unseren Postings natürlich immer wieder hingewiesen. Neben Artikeln haben wir zum Beispiel Top- und Flop-Videos mit den SpitzenkandidatInnen produziert. Allen KandidatInnen wurden die gleichen Aussagen genannt, zum Beispiel „Obergrenze für Flüchtlinge“, und sie konnten dann entweder ein „Daumen hoch“ oder eben ein „Daumen runter“ geben. Ein wichtiger Bestandteil war zudem das Erklärvideo, in dem wir mit Legofiguren darstellen, wie die Landtagswahl funktioniert. Außerdem wurden die PolitikerInnen mit Steckbriefen vorgestellt.

Was ist deiner Meinung nach wichtig, um junge Menschen mit der Wahlberichterstattung zu erreichen?

Ich denke, dass ein niederschwelliges Angebot geschaffen werden muss. Wir haben viel erklärt und sind auf die Interessen der jungen Menschen eingegangen. So haben wir PolitikerInnen zum Beispiel gezielt per Mail nach jungen Themen wie der gleichgeschlechtlichen Ehe oder der Legalisierung von Cannabis befragt. Zudem haben wir bei unseren Artikeln darauf geachtet, dass sie beispielsweise einen persönlichen Bezug haben. Beim Thema „Nicht-Wählen“ haben wir nicht nur einen Experten zu Wort kommen lassen, sondern ich habe auch darüber geschrieben, warum ich selbst nicht wählen gegangen bin.

Warum ich nicht bei der Wahl war_Volksstimme_Jugendseite

Welche Angebote liefen gut? Und wie erklärst du dir das?

Die Videos kamen allesamt gut an. Sie waren ideal für Social Media, leicht verständlich, kurz, schnell konsumierbar. Wer zum Beispiel verstehen wollte, was genau der Unterschied zwischen der Erst- und Zweitstimme ist, dem haben wir diese Info geliefert und zwar unkompliziert. Das Zusammenspiel aus Text und Bewegtbild war insgesamt eine gute Sache.

Was würdest du heute anders machen?

Es ist natürlich schon ein wenig Kamikaze, das nebenher zu machen. Aber es ist müßig über mehr Zeit zu sprechen, weil man die ja nicht hat. Die Arbeit am Projekt hat etwa dreieinhalb Monate gedauert. Wir haben Anfang Dezember begonnen und Mitte März war die Wahl. Man könnte auf jeden Fall früher starten. Und heute würde ich die Videos alle mit Untertiteln versehen.

Würdest du heute auch wieder eigene Accounts anlegen?

Auf der einen Seite haben sie dafür gesorgt, dass wir auch unsere Zielgruppe erreichen. Über die Accounts der Volksstimme selbst wäre das wahrscheinlich nicht unbedingt der Fall gewesen. Andererseits hatten wir so natürlich nicht so viele Follower und Interaktionen. Wir haben zwar damals schon mit externen Partnern, wie der Hochschule Magdeburg, zusammengearbeitet, aber man müsste sich zukünftig noch mehr gegenseitig pushen in den sozialen Medien.

Lassen sich eure Ideen auch für die Bundestagswahl nutzen?

Ich denke, dass das eher schwierig ist. Erklärvideos gehen natürlich immer, aber bei den Top- oder Flop-Videos sind die SpitzenkandidatInnen ja nicht vor Ort. Man könnte natürlich die WahlkreiskandidatInnen nehmen, aber das ist dann schon abstrakter. Auch die Themen, die den Bundestagswahlkampf bestimmen, sind abstrakter beziehungsweise schwieriger zu fassen. Da muss man sich im Vorfeld gut überlegen, wie sie auf die regionale und lokale Ebene gebracht werden können.

 

 

 

 

Ann-Kristin Schöne

Ann-Kristin Schöne ist Volontärin bei der Bundeszentrale für politische Bildung, Jugendmagazin fluter und Lokaljournalistenprogramm.

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