Viele offene Fragen, keine Panik

abschlusspodium2Zum Abschluss des Forums sollte noch einmal über Lösungen diskutiert werden. Wie entwickeln sich Verlage zu modernen Medienhäusern? Wie erreicht man junge Leute? Wie stellt man sich als Verlag für die Zukunft auf?

Auf dem Podium saßen Philipp M. Froben, Geschäftsführer von DuMont Rheinland, Christop Linne, Chefredakteur der Oberhessischen Presse aus Marburg, Christina Esser, Geschäftsführerin der prisma GmbH, die das Fernsehmagazin prisma produziert, und Max Giesdorf, Geschäftsführer der Lippischen Landes-Zeitung. Moderatorin war Sigrun Rottmann vom Institut für Journalistik der TU Dortmund.

Bestandsaufnahme

Verlag, Vertrieb, Druckerei, Radiobeteiligung – laut Giesdorf ist die Lippische Landes-Zeitung bereits ein Stück fortgeschritten auf dem Weg zu einem Medienhaus.

Linne erzählt von der Neuausrichtung der Oberhessischen Presse: Eine Medienagentur, eine 100prozentige Tochter des Verlags, kümmert sich beispielsweise inzwischen um Kundenbetreuung und Imagevideos etc.

Starker Wandel in Köln: Hier sind heute rund 80 Marken und Dienstleistungen versammelt, Köln TV, sieben Radiostationen und einiges mehr. Kerngeschäft sei aber nach wie vor Print, die Palette der DuMont-Tageszeitungen, erzählt Froben.

Esser berichtet, dass es sich bei ihrem Verlag zwar nur um ein Team mt elf Mitarbeitern handele, bezeichnet es dennoch als Medienhaus.

Herausforderungen

Die Oberhessische Presse hat sich kürzlich erst wieder selbständig gemacht und von Madsack gelöst. Für Linne geht es nun um neue Kooperationen, die angestrebt werden. In einem kleinen Verlag sei es elementar, Kräfte zu bündeln. Er spricht sich für Experimente und den Mut zum Scheitern aus. Für Froben hingegen ist die Größe von DuMont ein Vorteil, weil sie ganz andere Marktzugänge eröffne. Es gebe aber auch Nachteile, zum Beispiel die Entscheidungswege.

Giesdorf erzählt, dass sich sein Verlag besonders auch um neue junge Mitarbeiter bemühe. Mitarbeiter sollen optimal eingesetzt, auch geschult werden. Flexible Personalplanung, Personalentwicklung (hierfür wurde eine Stelle geschaffen) – wichtige Themen für die Lippische Landes-Zeitung. Die Zielgruppe von prisma ist eher älter, deswegen halte man es für falsch, nur auf junge Mitarbeiter zu setzen, erläutert hingegen Esser.

Junge Nutzer

Wie erreicht man junge Leute, die sich für Printprodukte nicht mehr begeistern lassen? Froben findet es nicht schlimm, wenn junge Menschen keine Zeitung lesen. Wichtig sei, dass sie überhaupt lesen und Medien nutzen. Er berichtet von einem Produkt – Xtra – einer Tageszeitung für junge Leute, einem Experiment aus dem dem DuMont-Verlag. Man habe 18.000 Zeitungen täglich in die Zielgruppe hineingebracht, nach den ersten Erfahrungen habe man das Produkt verändert, es erscheint nun wöchentlich und wird in Köln am Samstag kostenlos verteilt, zusätzlich gibt es ein Digitalprodukt. Froben nennt das Ganze ein Innovationslabor. Er und Linne sind sich einig: Zeitungen haben bei jungen Leuten eigentlich einen guten Ruf, sie gelten als zuverlässiges Medium. Aber wie lässt sich dieser gute Ruf seitens der Verlage nutzen? Hierfür fehlen offenbar nach wie vor durchschlagende Ideen, ein Geschäftsmodell ist noch nicht in Sicht.

Wie muss der neue Lokaljournalismus beschaffen sein?

Linne meint, es sei wichtig, Themen länger am Leben zu lassen und dranzubleiben. Das könne man auch aus dem Netz lernen. Es gehe darum, kontinuierlicher zu arbeiten, nicht nur aktuell. Es gebe thematische Lücken: die veränderten Lebenswelten zum Beispiel, die digitale Welt –„Was davon findet denn in der Zeitung statt?“, fragt er. Leserfeedback, Kommentare flössen in die Berichterstattung ein, aber die neue Lebenswelt habe noch keinen Platz.

Froben hebt noch einmal hervor, dass es bei jedem Thema wichtig sei, es aufs Lokale herunterzubrechen. Worin besteht die Relevanz für die Menschen? Das mache man bei DuMont schon seit langem so. Die nächste Frage sei aber nun: Wie kann man diese relevanten Nachrichten 24 Stunden am Tag verbreiten? Wenn am Abend Redaktionsschluss sei, funktioniere das nicht. Hier müsse man umdenken. Wichtig sei es auch, in den Dialog mit den Lesern einzutreten, das sei elementar für die neue Form des Lokaljournalismus.

Aber wie ist all das zu vereinbaren mit dem Sparzwang in den Redaktionen? Sparen sei keine Strategie, betont Froben. Das Kerngeschäft gehe zwar zurück, und man müsse natürlich überlegen, wo man einspare. Im Gegenzug müsse man aber auch an den richtigen Stellen investieren.

Was kommt?

So werden auf dem Abschlusspodium noch einmal all die Themen gestreift, die die Branche umtreiben: Digitalisierung, Finanzen, Nähe zum Leser, junges Zielpublikum, struktureller Wandel. Oder in den Worten Linnes: „Inhalte, Daten, Netzwerke“ – darum gehe es in Zukunft. In vielen Statements wird spürbar, dass die Probleme vielerorts erkannt werden, aber dass es nicht leicht ist, Lösungen zu erarbeiten. Und die eine Lösung gibt es ja bekanntlich sowieso nicht.

Stefan Wirner

Stefan Wirner ist Redaktionsleiter der drehscheibe.

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