EUlokal, Redaktionskonferenz 10/2013

„Wir haben ein Vermarktungsproblem“

Matthias Groote, einer der 14 Vizepräsidenten des EU-Parlaments und SPD-Abgeordneter aus Niedersachsen.

Matthias Groote ist SPD-Abgeordneter aus Niedersachsen. Er stellte sich den Fragen der Lokaljournalisten im Straßburger Europaparlament. Foto: Gaisbauer

 

Wieso sollte uns das überhaupt interessieren? Das ist die entscheidende Frage, die Lokaljournalisten ihren Lesern und Hörer auf den Punkt genau beantworten müssen, wenn sie über die EU berichten. Die Hinweise auf Frieden und Freiheit reichen nicht, es muss ein greifbarer Bezug zum Alltag her, der über verbreitetes Halbwissen hinausgeht; die EU bestimmt mehr als den Krümmungsgrad von Gurken. Es ist eine Frage, die die Redaktionskonferenz „Europa lokal“ am Mittwochabend bei einem Ausflug nach Straßburg ganz besonders beherrschte. Hier sitzen die Leute, die persönlich Rede und Antwort stehen können. Wie Matthias Groote. Ein bisschen umzingelt sah er aus, zwischen all den Journalisten in einem der kleineren Sitzungsräume innerhalb des Europäischen Parlaments. Er ist seit 2005 Mitglied des  Europäischen Parlaments und seit 2012 Vorsitzender des Umweltausschusses ENVI. „Seine“ Region ist die Weser-Ems, im Alltag ist für persönliche Besuche jedoch nur wenig Platz, das Jahr hat 44 Sitzungswochen.

„Wir arbeiten hier auch an der Gesetzgebung mit, wir können etwas bewegen, aber das wird oft nicht richtig vermarktet“, sagt Groote. „Wir machen die Noten, auch wenn die Musik manchmal woanders spielt“. Genau an dem Mittwoch haben die Abgeordneten gegen das Swift-Abkommen gestimmt, das Abkommen zum Austausch von Bankdaten mit den USA. Weitere Beispiele seien die Regulierung der CO2-Ausstoßgrenze von PKWs oder Kontrollen und Transparenz rund um Zigaretten. Für die CO2-Emissionen hätte er sich beispielsweise im Abstimmungstext eine Übersetzung des maximalen Ausstoßes in den Kraftstoffverbrauch pro Kilometer gewünscht, „damit die Leute sich das besser vorstellen können“. Selbst das Thema EU und Gurken werde häufig missverstanden, letztens sei der Krümmungsgrad dazu da, um eine effiziente Verpackung und Transport zu gewährleisten. Die Bedeutung der EU-Einrichtungen ließe sich auch an den 20.000 bis 30.000 Lobbyisten ablesen, die um Einflussnahme ringen.

Die Seminarteilnehmer im Gespräch mit dem Europaabgeordneten Matthias Groote.

Die Seminarteilnehmer im Gespräch mit dem Europaabgeordneten. Foto: Dudeck

„Die Wahlbeteiligung bei der Europawahl ist sehr gering. Wie soll man das den Leuten schmackhaft machen?“, wollte einer der Teilnehmer wissen.  „Ich wünsche mir einen Wahlkampf mit Duellen“, sagte Groote. Er setzt auf eine stärkere Personalisierung des Wahlkampfes, mit Spitzenkandidaten von allen Seiten. Außerdem trete eine niedrige Wahlbeteiligung auch auf anderen Ebenen auf und sei kein EU-Problem.

Es ging noch konkreter. Journalistische Bedürfnisse sind Groote nicht unbekannt, auch er war Anfang der Neunziger-Jahre mal freier Mitarbeiter bei einer Zeitung. „Wenn Sie noch beim Fehntjer Kurier wären, was würden Sie morgen schreiben?“, fragte Liane von Droste, Journalistin und Leiterin des Seminars. Ad hoc nannte Groote drei Punkte: Lebensmittel und Vermarktung,  Verbraucherthemen anhand von einzelnen Beispielen, wie zum Thema Kfz – „das muss jedoch vernünftig erklärt werden und darf nicht zu technisch-abstrakt sein“, ergänzte Groote –  und den Wandel von kleinen Kommunen, die mit Alterung und der Abwanderung in Städte zusammenhängt.

Die 24 Lokaljournalisten fühlen dem EU-Politiker auf den Zahn.

Die 24 Lokaljournalisten fühlen dem EU-Politiker auf den Zahn. Foto: Dudeck

Für das letztere sollten Journalisten vor allem die Strukturförderungsprogramme der EU, die Strukturfonds, im Blick behalten. Eine Meinung zum erfolgreichen Einsatz von Sozialen Netzwerken wie facebook und Co. hatte Groote auch: „Man muss schon etwas zu sagen haben, wenn man damit jemanden erreichen will. Und man kann interessante Menschen kennenlernen“.