„Zu viel Schwarz und Weiß“

„Gewerkschaft und Unternehmen“ – für Medienmacher sind das zwei Pole im täglichen Umgang mit der vermeintlichen Wahrheit.

Wilfried Eberhardt von der Kuka Roboter GmbH ist größtenteils zufrieden mit der Berichterstattung über sein Unternehmen im lokalen und allgemeinen Wirtschaftsteil. Das sagte er in der Diskussionsrunde zum Auftakt des dritten Tages beim Modellseminar. Kein Wunder, viel Negatives gibt es für die Presse im Moment nicht zu erzählen – Auftragslage stimmt, Entlassungen sind derzeit kein Thema, Finanzexperten sehen für die Aktien der Augsburger Automationsunternehmen viel Potential.

Mit dem DGB – Regionsvorsitzenden Werner Gloning saß dem Geschäftführer des Global-Players der ideologische Widersacher gegenüber. Mehr oder weniger kontrovers debattierten die beiden über Leiharbeit, Ausbildung und Frauenquote, wobei man dem Gewerkschafter einige Zugeständnisse abringen konnte. Zum Beispiel: Leiharbeit sei in wenigen Einzelfällen durchaus in Ordnung, wenn es darum geht, Auftragsspitzen abzufedern. Aber nur für einen begrenzten Zeitraum, der gesetzlich festegelegt werden solle.

Von den Medien wünscht er sich, dass die Rolle der Arbeitnehmer-Vertreter innerhalb der Gesellschaft stärker betont wird. Den Vorwurf eines Seminarteilnehmers, wonach Journalisten gerade bei den Gewerkschaften nur mit viel Mühe Informationen erhalten, konnte er allerdings nicht vollständig entkräften.

Leise Kritik an einem vermeintlich undifferenzierten Umgang der Presse mit der Wirtschaft äußerten sowohl der DGB-Mann als auch der Unternehmer. Betriebswirtschaftliche Entscheidungen von Unternehmen – beispielsweise Entlassungen – werden zu oft nicht ausreichend erklärt, so der Vorwurf von Gloning. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die dahinter stehen, würden nicht hinterfragt. Insgesamt zu viel „Schwarz und Weiß“

Auf der anderen Seite sähe Konzern-Chef Eberhardt gern, wenn die Presse die strengen Spielregeln auf dem Weltmarkt bei ihren Urteilen über manch Unternehmensmaßnahme stärker berücksichtigt. Auch regionale Betriebe und letztlich ihre Mitarbeiter seien vom globalen Wettbewerb abhängig – in der Berichterstattung komme diese Tatsache zu kurz.

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