Jammern ist populär und nur zu verständlich. Doch angesichts der schwierigen Situation, der sich Lokaljournalismus stellen muss, ist wieder mehr Idealismus gefragt, eine "geile" Zeitung zu machen.

Wieder mehr Zeit für Idealismus

Jammern ist erlaubt, Jammern gehört sogar zum Geschäft. Dass die Arbeit in der Redaktion schwierig geworden ist, mag niemand mehr ernsthaft bestreiten. Auch die Referenten des Modellseminars lassen daran keinen Zweifel. „Mit dem Rücken zur Wand“, „zu wenige Ressourcen“, „ein schwieriger Lesermarkt“ – alles wahr, alles bittere Realität.

Doch in der Krise steckt die Chance, wieder journalistischen Idealismus zu leben. Wieder eine Zeitung zu machen, die wir selbst gut finden – oder um es mit den Worten derer zu sagen, die uns als Leser fehlen – „geil“.

Themen interessant präsentieren, wieder ganz nah dran an den Menschen zu sein, wieder zum „Geschichtenerzähler am Lagerfeuer“ zu werden, der wir alle irgendwie sein wollen und der wir in den vergangenen Jahren vermutlich viel zu wenig waren.

Um das allerdings leben zu können, wird es darum gehen, mehr das wegzulassen, was nicht funktioniert. Weniger Dinge müssen, mehr Dinge wollen – Ideen, die sich schon nach kurzer Zeit als Flop erweisen, sterben zu lassen. Das alles mit einer gewissen Selbstsicherheit, dass das, was man als Alternative anzubieten hat, dieses Mal wirklich zum großen Wurf wird.

Die Frage der Ressourcen bleibt dabei eine entscheidende. Denn an Kreativität mangelt es vermutlich den wenigsten Redaktionen. Wenige Minuten Brainstorming in einer kreativen Runde würden wohl meist reichen, um eine ganze Schar an Mitarbeitern über Wochen zu beschäftigen.

Und die Umsetzbarkeit? Muss offen und ehrlich diskutiert werden, über alle hierarchischen Ebenen, die eine Redaktion zu bieten hat – vom Chefredakteur bis zum Volontär. Und wenn dann eben nicht das kollektive Jammern einsetzt, sondern sich Kreativität auch in der Suche nach Arbeitsabläufen zeigt, dann wird Print weiterleben… Es wird künftig nur anders aussehen.

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