Let’s talk II

Gute Dozenten bisher. Spannend heute Morgen Lars Wienand, Deuschlands einziger Social-Media-Redakteur, seit Oktober 2009 bei der Rhein-Zeitung. Er schockte ab 9 Uhr die Kollegen mit Begriffen aus der Twitter- und Facebookwelt und mit seinen Arbeitszeiten – zumindest twittert und posted er auch Sonntagfrüh, Samstagnacht und eben mal zwischendurch, wenn die Zeitung schläft.  Dem hörbaren Schnaufen einiger eingefleischten Printler zum Trotz – „Twitter  zahlt nicht meinen Lohn, wir machen immer noch Zeitung“ – ist doch die wenn auch widerwillig akzeptierte Meinung des Plenums: die Arbeit an der Marke Tageszeitung geht heute nicht mehr ohne Anerkennung der Internetkanäle. Viele Kollegen berichten von Themen, die ihnen ohne Twitter und Fatzebook schlicht entgangen wären, einige Verlage scheinen auch schon in Sachen Werbung im Internet einen Nachfragezuwachs zu merken.

Spannend auch: Armin Maus, Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung, stellte das Konzept “ Bürgerzeitung“ der BZ vor, das sich  im Laufe von acht Jahren 30 Formen der Leserbeteiligung erarbeitete. Laut Maus das Wichtigste: Redakteure müssen umdenken, den Leser wieder auf Augenhöhe wahrnehmen, runter von der Kanzel, nicht den Leser an die Hand nehmen wollen.

Formen der Bürgerzeitung bei der BZ:

– tägliche Leserseite (Leser schreiben)

– wöchentliche Interview-Seite „Leser fragen“ (von Redakteur begleitetes und geschriebenes, aber vom Leser geführtes Interview)

– Omudsrat (aus dafür freigestelltem Chef vom Dienst plus Rechtsanwalt) – Leserkritik, -Anfragen, -Beschwerden laufen mit Stellungnahme des OR ins Blatt

– Leserkonferenz (viermal im Jahr in den Lokalredaktionen), sechs Leser (Aufruf i.d. Zeitung) bekommen Einblick in Redaktionsabläufe, hinterfragen, kritisieren Themensetzung

– Ortsteilbesuche (nicht als Podiumsdiskussion, sondern Bühne für den Stadtteil oder das Dorf gedacht: von Redakteur moderiertes Gespräch mit politisch Verantwortlichem und Lesern, dazwischen singt der Kindergarten; erscheint auf Panoramaseite)

– Leser wählen ehrenamtliche Aktion des Jahres (Redaktion stellt in Serie ca. 30 vor, eine Jury wählt ein Drittel aus und Leser stimmen ab)

– Leser wählen den Mensch des Jahres in ihrem Ort

– Kamingespräche mit Wissenschaftlern, etc.

(BZ hat Auflage von 130.000, 85 Redakteure, gehört zur WAZ)

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