Den Braten riechen I

Das Gedankenspiel an einem Beispiel beginnt.

Ziel: Lokalpolitik zum Stadtgespräch machen. Maßgabe: Möglichst lesernah. Status in der Stadt: Der Fall ist noch nicht eingetreten, es hat sich noch kein Bürgerprotest formiert, die Politik spricht das Thema nicht offen an, die Redaktion riecht den Braten – die Schülerzahlen sinken seit Jahren, die Stadt wird um eine Grund-Schulschließungen der fünf vorhandenen nicht umhin kommen. Ein Topthema, schließlich wollen wir nicht zuletzt Familien in der Relevanz unserer Berichterstattung an uns binden.

Eine Redaktionskonferenz wird einberufen.

1.1: Daten sammeln – beim Kultusministerium (was sind kritische Zahlen für eine Klasse, für eine Schule?), – beim Stat. Landesamt (wie ist der prognostizierte Geburtenrückgang in den nächsten Jahren), – beim Schulamt/Einwohnermeldeamt (welche Schule in der Stadt hat welche Schülerzahlen? Wie viele Kinder kommen nach), – persönliche Kontakte (kennt jemand jemanden, der ein Kind in der Schule hat, jemanden im Elternbeirat?), – Internet (äußert sich schon jemand aus der Schule oder dem schulischen Umfeld zu dem drohenden Problem?), – Wahlprogramme und Aussagen der Politiker zu Bildung schon mal aus dem Archiv kramen

1.2: Gespräch mit Kultusministerium, Schulamt – „Eine Schule muss schließen“

2. Bericht über das Problem, das außer uns keiner benennt (+Grafik sinkende Schülerzahlen, +Kommentar zur Haltung der Politik, + 3 Fragen an Kultusminister/Fachmann, + Hinweis auf unseren Knaller im Print auf Facebook und über Twitter)

3. Erste Kommentare aus Online- Foren und Leserbriefe ins Blatt nehmen.

4. Bericht (Was sagen die Stadt, die Fraktionsvorsitzenden) + Erfahrungsbericht, Stimmen sammeln bei Familie aus benachbartem Ort, in dem vor einem Jahr eine Schule geschlossen und die Kinder damit einen längeren Schulweg haben – geht auch als Statement-Film im Internet

5. Alle fünf städtischen Grundschulen werden im Bild gezeigt, darunter jeweils  ein Kasten mit Daten und Fakten (Schülerzahl, Lehrerzahl, Geld, das die Stadt in den letzten Jahren in diese Schule gesteckt hat). In einem Bericht dazu: die Schulleiter kommen zu Wort. „Meine Schule nicht, weil …“, + per Twitter und Facebook auf Online-Auftritt verweisen, auf dem es Erinnerungspinnwände der ehemaligen Schüler geben soll: Was ist toll an Schule x, erinnert euch, schreibt hier … (Gutes läuft später ins Blatt) + Frage der Woche online oder Coupon: „Eine Schule muss scließen, was halten Sie davon?“ (A. Geht gar nicht. B. Ist mir egal. C. Solange es nicht meine ist. D. Wenn es nicht anders geht)

6. Interview Landeselternbeirat + Reportage von einem langen Schulweg + Video zum Thema (Datenschutz beachten!)

7. Alternativen aufzeigen: wie kann man eine Schule besparen ohne zu schließen, z.B. Kombiklassen, Lehrer einsparen, etc. + Vergleiche ziehen zu ähnlich großen Städten mit ähnlichen Problemen

Morgen geht es weiter, jetzt gibt’s mal wieder Essen

Kommentar (1)

  1. Das sieht doch schon gut aus, aber ihr habt ja noch Zeit bis Freitagvormittag.

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