Lösungen am Desk

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André Schweins (Westfalenpost) und Frank Fligge (Westfälische Rundschau) präsentieren ihr Desk-Modell. Foto: jg

André Schweins, Mitglied der Chefredaktion bei der Westfalenpost, und Frank Fligge, stellvertretender Chefredakteur der Westfälischen Rundschau, sprechen im Experten-Forum über ihre Erfahrungen mit einer besonderen Desk-Lösung: Die beiden Zeitungen sind mit 18 Lokalausgaben an einem gemeinsamen Tisch vertreten. Das Ziel: Weniger Reibungsverluste, mehr Zeit für Geschichten und eigene Themen.

Kern des Modells ist eine klare Aufgabenteilung: Mindestens 18 Blattmacher sitzen am Desk, für jede Lokalausgabe ein Redakteur.  Sie bearbeiten die Texte der Reporter, sie kontrollieren die Qualität, sie reißen die Seiten auf, bestimmen Bilder und managen die Themen im Tagesverlauf.

Die Reporter in den lokalen Redaktionen haben so Freiraum: Für Termine und Geschichten. Pro Tag wird von der Zentrale in Hagen ein Volumen von 120 Seiten gemanagt. Die Trennlinie zwischen Blattmacher und Reporter wird bei den beiden Zeitungen streng gezogen. Die Reporter haben zum Beispiel keine Layout-Lizenz mehr.  „Die Zielflagge ist, lokale Reporter zu haben, die Zeit haben“, so André Schweins, „lokale Reporter, die vom Redigieren der Meldungsspalten befreit sind.“ Ein Blattmacher ist im Schnitt für sieben bis acht Seiten zuständig.

Zentrale Fragen der Diskussion: Wie schafft man es, die Rolle des Blattmachers für Redakteure, die bisher auch Reporterfunktion hatten, interessant zu gestalten? Die Leitlinie von WP und WR: Der Mitarbeiter, der einen Artikel redigiert, der eine knackige Überschrift macht, der sei genauso wichtig, wie der Reporter, der die Geschichte einfängt.

Und: Wie ist die Entscheidungskompetenz verteilt? Wann sollte die Entscheiderfunktion bei den lokalen Redaktionen und wann beim Desk liegen? Die beiden westfälischen Zeitungen haben das für sich weitgehend geklärt.  „Die Angst vor 150 Telefonaten täglich war sehr groß. Das findet aber so nicht mehr statt“, sagt Schweins. Die Reporter und Blattmacher sind inzwischen eingespielt. „Der Desk soll rund eine Viertelmillion Euro gekostet haben. Eine Investition, die sich für WP und WR auszuzahlen scheint.“

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