„Medienstartups sind unterfinanziert“

Innovationen, neue Ansätze, Start-ups – es sind Schlagworte wie diese, die die Diskussion im Journalismus antreiben. Doch die wichtigsten Fragen sind: Wie verdiene ich mit meinen neuen Ideen Geld? Wer investiert in mein Geschäft?

Jonas Bodenhöfer ist diesem Thema in seiner Hochschularbeit nachgegangen und hat die Ergebnisse seiner Fallstudie beim Forum Lokaljournalismus präsentiert. Er hat Medienmanagement am Insititut für Journalistik und Kommunikationsforschung an der Hochschule Hannover studiert und die Arbeit „Was Verlage von Medieninvestoren lernen können – Eine Studie zu den Auswahlentscheidungen von Medieninvestoren“ geschrieben. Seit seinem Abschluss in Hannover arbeitet er bei der Serviceplattform „kitchen town“ für Food-Startups – auch hier sind die anfangs gestellten Fragen ein Thema.

Was Medienstart-ups sind und wie sie sich unterscheiden

Zu Beginn klärte Bodenhöfer die Frage, was Medienstartups überhaupt sind und nannte Beispiele wie Krautreporter, Blendle oder BuzzFeed. Diese würden die Aufmerksamkeit wie klassische Medienunternehmen oganisieren – nur auf etwas andere Weise, wie beispielsweise eine Zielgruppe durch Online-Marketing aufbauen und innovativ sein. Was Bodenhöfer zufolge besonders in Deutschland auffalle: „Medien und journalistische Startups sind chronisch unterfinanziert.“ Dabei bräuchte es solider Startfinanzierungen, die aber noch selten zur Verfügung stünden.

Die Seite der Kapitalgeber beachten und befragen

Deswegen hat Bodenhöfer die Seite der Kapitalgeber gefragt: Wie wählen sie Medienstartups als Investitionsobjekte aus? Insgesamt acht Investoren hat er qualitativ mit einem Leitfaden befragt und überdies eine Dokumentenanlyse durchgeführt.

Wie vor 70 Jahren komme es auf die Investment Criteria an: Deal Generation (100 Prozent), Initial Screening (80 Prozent), Due Dilligence (10-20 Prozent) und Deal Structuring (1-4 Prozent). Bodenhöfer betonte, dass heute eher auf das Business Model Canvas zurückgegriffen werde.

Wichtige Auswahlkriterien für potentielle Kapitalgeber seien:

– Team (Erfahrung, Produktkometenz, komplementäre Skillsets)
– Produkt (stategic Fit, Proof of Concept, Wachstumspotential)
– Finanzen
– Markt
– Geschäftsmodell

Laut Bodenhöfer seien diese Kriterien „identisch mit dem, was in anderen Branchen auch zu finden ist“. Ein befragter Investor gab jedoch an: „Wenn ich ein Software-Startup baue, dann weiß ich, dass ich ein SaaS-Modell hab, da muss ich mir keine Gedanken darüber machen. Höchstens noch über das Pricing. Aber das ist bei Medienstartups immer anders.“ Es sei also immer die Frage nach dem Geldverdienen, über Geschäftsmodelle werde kaum gesprochen.

Potentielle Investoren für Medienstart-ups

Zwei Gruppen hat Bodenhöfer als Investoren in Medienstart-ups herausgefiltert: Zum einen die strategischen Investoren, wie Medienhäuser oder auch Verlage. Um innovative Potentiale zu entdecken, investieren sie in Startups oder kaufen Anteile. Dabei gehen sie von einem strategischen Fit aus: Sie schauen sich ihre eigenen Kernkompetenzen an und wollen Geschäftsmodelle finden, in denen sie diese einsetzen können. Die Investoren rechnen zudem ab Tag eins mit dem Geldverdienen, also mit einem direkten Return on Investment (ROI). Meistens würden sich diese Investoren für ein Marktplatzmodell entscheiden. Wohingegenen sich sogenannte Finanzinvestoren auf technisch skalierbare Geschäftsmodelle mit hohem Wertzuwachs fokussieren.

Doch – was jetzt?

Wer finanziert also in Innovationen im Journalismus oder Medienbereich? Hierzu hat Bodenhöfer sechs Thesen ausgemacht, die sich in den Medienbereich übertragen lassen:

  • Innovative Teams sind interdisziplinäre Teams. Vernetzung wird zur Kernkompetenz.
  • Produkte müssen eigenständig funktionieren. Basteln Sie keine Einzelfeatures.
  • Das Business Model liegt nicht auf der Hand: Experimentierfreude ist gefragt.
  • Skalierbarkeit ist ein wichtiger Faktor. Nutzen Sie die Chancen des Digitalen.
  • Besetzen Sie Nischenmärkte mit Zahlungsbereitschaft und wachsen Sie dann.
  • Markttests sind wichtiger als Prototypen. Verlage und Start-ups brauchen einander.

Abschließend gab Bodenhöfer den Lokaljournalisten noch eines mit auf den Weg: „*Kommen Sie mit Start-ups in Kontakt. Sie brauchen einen Partner, der eine Zielgruppe hat.“

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