Interessant ist was sich bewegt

Tipps für ihren Arbeitsalltag wollte Gabriele Fischer den Lokalredakteuren eigentlich nicht geben. „Ratschläge sind auch nur Schläge“, meinte die Chefredakteurin von Brand eins. Anregend war das Gespräch unter Kollegen bei Kaminfeuer aber trotzdem.

Gabriele Fischer, Chefredakteurin von Brand eins.

Gabriele Fischer, Chefredakteurin von Brand eins.

Brand Eins ist eines der erfolgreichsten Zeitschriften-Projekte der letzten Jahre. Nach schwierigem Start im Jahr 1999 zählt das Wirtschaftsmagazin inzwischen mehr als 100.000 Leser und wächst stetig. Brand Eins ist aber nicht nur einfach eine Zeitschrift über Wirtschaft, Brand eins ist hip und seriös zugleich. Das Erfolgsrezept laut Fischer: „Wir machen ein Magazin, das wir selbst gerne lesen würden.“

Es wollte von Anfang an anders sein. Und die Leute, die dafür arbeiten, sollten anders sein als bei den üblichen Wirtschaftsblättern. „In den ersten fünf Jahren haben wir ganz ohne Wirtschaftsjournalisten gearbeitet“, erzählte die Mitgründerin des Heftes. Denn die würden keine Fragen stellen, sondern so tun, als wüssten sie schon alles. Der richtige Mitarbeiter für Brand eins ist jemand, der so lange nachbohrt, bis er alles verstanden hat und dann den Lesern locker erklären kann. Der Schlaumeierei und Unverständlichkeit der gängigen Wirtschaftsseiten wollen die Macher aus Hamburg Neugier und Beobachtung entgegensetzen.

Für Fischer war die Wirtschaft so interessant, „weil damals noch so viele Geschichten in dem Ressort nicht geschrieben worden sind.“

Ein Drittel der Themenideen kommen von Lesern

In keinem anderen Bereich würde sich alles so manifest und schnell verändern wie in der Wirtschaft. „Uns interessieren die Dinge, die in Bewegung sind“, sagt Fischer. Jedes Heft hat einen Schwerpunkt – das hilft dem Journalisten, auf ein Thema durch unterschiedliche Perspektiven zu blicken. Auf der anderen Seite beginnt der Leser dank der Fokussierung, sich Gedanken über Dinge zu machen, über die er vorher nicht nachgedacht hat. Es gehe beispielsweise nicht darum zu berichten, dass ein Unternehmen insolvent gegangen ist – denn auch nach so einer Sache geht das Leben weiter. Das Heft soll mit intelligenten Ideen überraschen und nicht zuletzt auch unterhalten.

Und der Leser dankt es mit Interaktion. Rund ein Drittel der Themen in einem Heft gehen auf Hinweise von Lesern zurück. Beeindruckend fanden das die versammelten Kollegen aus dem Lokalen.

Doch was würde die Magazin-Redakteurin machen, wenn sie eine Wirtschaftsseite einer Lokalzeitung übernehmen würde, wollte ein Seminarteilnehmer wissen. Als erstes würde sie auf die Aktualität der Geschichten verzichten. Stattdessen würde sie die Fragen der Zeit an regionalen Themen  erzählen, sagte Fischer, die ihre journalistische Karriere beim Weser-Kurier begonnen hat. Die Wirtschaftsteile von heute interessieren sie allerdings nur wenig: „Ich lese keine Tageszeitungen, weil ich danach noch 140 Fragen habe, die ich auch mit unserem Magazin nicht beantworten kann.“


Kommentar (1)

  1. Lokalzeitungen müssen zunehmend den Terminjournalismus in die Mottenkiste verbannen und eigene Geschichten schreiben. Es ist allemal besser den Kommunen und Kreisen die Themen auf die Tagesordnung zu schreiben, die die Leser betreffen und bewegen, als sich fremdbestimmt durch Ausschüsse und Gemeindevertretungen hetzen zu lassen.

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