Franz Müntefering – der Sauerländer zu Gast in Franken.

Sammeln, Ordnen, Bewerten

Franz Müntefering – der Sauerländer zu Gast in Franken.

Franz Müntefering – der Sauerländer zu Gast in Franken.

Der ehemalige Vizekanzler und frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering sprach die Keynote zum 22. Forum Lokaljournalismus.

Er betonte, wie wichtig es nicht nur sei, Informationen über Ereignisse zu erhalten, sondern dass man auch Zeit dafür habe müsse, sie einzuordnen. Hier könne der Journalismus die entscheidende Rolle spielen. Denn: „Wissen, das man sich ergoogelt, ist noch kein Denken.“

Das Lokale, der Journalismus und die Politik – „Was kann ich als Politiker an Ratschlägen geben in dieser konkreten Situation?“, fragte sich Müntefering. Er habe sich entschieden zum Forum Lokaljournalismus zu kommen, weil Journalisten hören sollten, was Politiker darüber denken.

 

 

Mobilität und Information

Zwei besondere Punkte, die ihm am Herzen lagen, hob Müntefering hervor.

1. „Mobilität ist so massiv und unmittelbar geworden, dass wir in einer Einen-Welt leben“, sagte Müntefering. „Das Bewusstsein hierüber kommt hier in aller Konsequenz bei den Menschen an. Die Dinge verändern sich.  Die kleinen und die großen Einheiten gewinnen an Gewicht.“

Die Menschen würden einen Ort suchen, an dem sie zuhause seien. Die kleine Einheit vor Ort werde an Gewicht gewinnen – das Lokale. Nicht zwingend das Dorf, sondern die Region. Diese sei ein Orientierungspunkt für Menschen. Wenn ein Job gut sei, seien viele Menschen auch bereit, eine Stunde am Tag dorthin zu fahren. „Dieses Zuhause-Sein spielt auch in globaler Welt eine große Rolle“

Dann kam er auf die Frage der Metropolregionen zu sprechen. „Was entwickelt sich da eigentlich?“, fragte sich der ehemalige Bundesminister. „Wie reagieren die Menschen darauf? Sie brauchen die Informationen über diese Zusammenhänge, und wir müssen ihnen die Informationen geben, damit sie sich orientieren können.“ Eine andere Frage sei, wie sich diese Entwicklung mit den demokratischen Ansprüchen verbinde.

2. „Die Bedingungen für Demokratie ist Information“, führte Müntefering aus. „Es gibt Information in Massen. “ Daraus resultiere die Frage: „Wo steht das Wichtige? Was muss ich wissen?“ Und an diesem Punkt würden die Medien eine entscheidende Rolle spielen – auch für Politiker.  „Sammeln, Ordnen, Bewerten – das ist eine zentrale Aufgabe für die Demokratie. Und das macht von Natur her der Journalismus“.

Die Vielfalt und Menge der Kommunikation, so positiv das sei, führe dazu, dass alles leicht zu einem Brei werde. Das Tempo nehme zu. „Kann man sich leisten, eine wichtige Meldung einen Tag lang nicht zu kennen?“, fragte Müntefering. Sei es sinnvoll, immer nur Informationen aufzunehmen, ohne Zeit zu haben, darüber nachzudenken?

„Wissen, das man sich ergoogelt, ist noch kein Denken“, fasste es Müntefering treffend zusammen. Er betonte, wie wichtig es sei, Zeit dafür zu haben, Dinge zu begreifen.

 

Demographischer Wandel

Müntefering schilderte in seiner Rede vor allem die Probleme, die der demographische Wandel für die Provinz – das Lokale – mit sich bringe, wie etwa die zunehmende Landflucht., die Abnahme der Bevölkerung, die Probleme der Arbeitswelt etc. Nur wenn Kommunen handlungsfähig seien und Entscheidungen treffen könnten, könnten sie sich selbst gut organisieren. Er sprach sich für das Programm der sozialen Stadt aus.

 

Was können Lokaljournalisten dabei tun?

„Der Journalismus muss selbstständig sein und ohne Rücksicht auf Verluste die Informationen benutzen, die er hat“, stelle Müntefering klar. „Journalismus ist kein pädagogisches Instrument.“ Er wolle aber mit dem Thema Demographie Hinweise geben, was wichtig ist für die Menschen – zum Beispiel im Berufsleben, die Frage der Arbeitsplätze für junge Menschen, wie die Pflege in Zukunft organisiert werden könne etc.

Stefan Wirner

Stefan Wirner ist Redaktionsleiter der drehscheibe.

Kommentar (1)

  1. „Das Lokale, der Journalismus und die Politik – ‚Was kann ich als Politiker an Ratschlägen geben in dieser konkreten Situation?‘, fragte sich Müntefering. Er habe sich entschieden zum Forum Lokaljournalismus zu kommen, weil Journalisten hören sollten, was Politiker darüber denken.“
    – Ja, was denken denn nun Politiker über das Lokale, den Journalismus und die Politik? Dass das Lokale auch in globalen Zeiten wichtig ist und Informationen eingeordnet werden müssen? Dafür hätte kein Müntefering ans Mikro treten müssen…

Kommentare sind geschlossen.

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