Journalisten und Helden – der Talk

Michael Rümmele, Thomas Krüger, Joachim Braun beim Erföffnungs-Talk. (v.l.n.r.).

Michael Rümmele, Thomas Krüger, Joachim Braun beim Erföffnungs-Talk. (v.l.n.r.).

Same procedure as every year? Nein, stellte Berthold L. Flöper, Leiter des Lokaljournalistenprogramms der bpb, gleich zum Auftakt des 22. Forums Lokaljournalismus klar. Das Konzept des Forums sei deutlich weiterentwickelt worden. Die Besucher würden stärker mit einbezogen. Und das bereits im Vorfeld, etwa bei der Auswahl der Podiumsgäste. „Die Atmosphäre einer Arbeitskonferenz soll im Fokus der Veranstaltung stehen“, sagte Flöper und übergab das Wort an Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung. Dieser begrüßte zunächst seine Gäste: Michael Rümmele, Geschäftsführer des Nordbayerischen Kuriers, dem Gastgeber der diesjährigen Veranstaltung, und Joachim Braun, dem Chefredakteur der Zeitung.

Krüger fragte Braun, Chefredakteur des Jahres 2012, zunächst, was ihn zum Helden mache. „Als Journalist ist man nie ein Held“, entgegnete Braun. „Man hat Freiheiten, die man entweder ausschöpfen kann oder eben nicht. Uns ist wichtig, dass wir keine Feindschaften scheuen“. Und zum Thema Auflagenschwund: „Man kann die Auflage nur stabilisieren, indem man auf Qualität setzt. Man muss Leser überzeugen, dass an der Zeitung nichts vorbei geht – und das auf allen Kanälen.“ Wie er es hingekriegt habe, dass sich der Auflagenschwund der Zeitung im deutschlandweiten Vergleich in Grenzen halte, wollte Krüger von Rümmele wissen. „Die Redaktion gibt das Geld vernünftig aus“ entgegnete dieser.

 

Welche Konzepte hinter der Erfolgsstory des Nordbayerischen Kuriers stehen? „Wir machen Journalismus nach Bauchgefühl“, sagte Braun. „Wir haben die Vereinsberichterstattung ausgelagert und die Terminberichterstattung deutlich zurückgefahren. Das ist das wichtigste. Und wir bemühen uns, unseren Redakteuren genügend Zeit für die Recherche zur Verfügung zu stellen.“

 

Wie die Zeitung von morgen aussehe, wollte Krüger von Rümmele wissen. Es gebe kein einzelnes Rezept, entgegnete dieser, räumte aber ein: „Wir müssen uns von dem Konzept der Zeitung als gedrucktes Produkt verabschieden. Zeitung bedeutet komplexe und schwierige Dinge mit einfachen Worten zu beschreiben. Mehr nicht. Jeder, der es komplizierter macht, wird scheitern.“

 

Ob es schwer gewesen sei, Kollegen von Veränderungen in der Redaktion zu überzeugen, wollte Krüger von Braun wissen. Die Transformation habe gedauert, sagte dieser. Man habe extra Kollegen für Facebook eingestellt – heute der wichtigste Rückholkanal der Zeitung. Vier bis fünf Aufmachergeschichten hole die Redaktion jede Woche über Facebook. „Die Kommunikation mit dem Leser ist das entscheidende. Wir als Journalisten dürfen uns nicht herausstellen. Wir müssen mit den Leuten arbeiten und auf sie eingehen.“

 

Welchen Raum die Berichterstattung über die Europawahlen in der Zeitung einnehmen würde, lautete Krügers abschließende Frage. „Wir versuchen, Europa so unvoreingenommen wie möglich darzustellen“, sagte Braun, räumte aber ein: „Es wird schwer, Leser für die Europawahl zu begeistern. Wir versuchen das über eine kontinuierliche Berichterstattung und durch die Zusammenarbeit mit guten Korrespondenten in Brüssel. Und: Wir rücken den Verbraucher in den Mittelpunkt.“

Kommentare (2)

  1. Pingback: Forum Lokaljournalismus, Tag 1: die Kälteodyssee | ostroplog – Das Weblog von Philipp Ostrop

  2. Warum „entgegnete“ Joachim Braun ständig? Und warum räumte er immer wieder ein?

    Zum Inhalt: Das ist natürlich alles richtig und wichtig – aber nicht unbekannt. Ich hätte es gerne mal konkreter! Auf welche Geschichten ist man stolz? Welche laufen gut, welche weniger gut? Und spielt „Qualität“ dabei überhaupt eine Rolle? …

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