Input: Was bringt der Regiodesk?

Input zum Thema RegiodeskEffizienz, mehr Zeit, mehr Qualität, entlastetes Personal: Das alles soll der Regiodesk schaffen. Doch hält er das Versprechen, guten Journalismus zu fördern auch ein, oder ist er nur ein Vorwand, um Geld einzusparen – und Personal? Jörg Manhold erzählt im Input „Regiodesk – hohe Schule des Newsrooms oder doch nur ein Sparmodell?“, wie das Modell beim Bonner General-Anzeiger umgesetzt wird. Und ob es seinen Ansprüchen gerecht wird. Der General-Anzeiger hat einen riesigen Newsroom mit einem Regiodesk, einem Service-Desk, einem Super-Desk, einem weiteren Lokal- und einem Manteldesk. Ein Desk-System, das sogar Besucher aus anderen Redaktionen anlockte. Im Idealfall sitzen acht der insgesamt zehn Editoren am Regiodesk, je ein fester Editor für eine der sechs Ausgaben, die restlichen Editoren versehen Sonderdienste, z.B. als Springer oder Spätdienst. „Vorher waren wir dezentral, wir hatten unsere Lokalzeitungen in den Außenredaktionen, und was die produziert haben, haben die anderen teilweise erst am nächsten Morgen gesehen.“ Einheitlicher sollte es werden, und dafür war es nötig, die Arbeitsprozesse, die Kommunikation zu synchronisieren. „Wir haben dann in einer Arbeitsgruppe alles selber entwickelt, Inhalt der Zeitung, Aussehen, Kommunikationsabläufe, aber auch die Ausstattung des Newsrooms“, sagt Manhold. Auch Schulungsinstrumente seien dabei gewesen, ein gemeinsames Verständnis von Qualität – ein Gesamtpaket für Inhalt und Form.

Besserer Informationsfluss

“Erzählen Sie mal: Wie läuft es mit dem Regiodesk im Alltag?” , möchte Moderatorin Dr. Kerstin Loehr, Wolfsburger Nachrichten, wissen. „Es ist ein Erfolgsmodell – und auch alternativlos“, antwortet Manhold. Alternativlos deswegen, weil man schnell und zentral kommunzieren muss, der Informationsfluss zügiger, besser und transparenter sein muss, um ein gutes Produkt zu liefern. Die Entscheidungsprozesse liefen viel flüssiger als früher, und die Entfernung zwischen den Redaktionen hätte man mit dem Desk gut überbrückt. „Die Qualität der Absprachen ist wesentlich besser. Wir haben uns diszipliniert.“ Heute gebe es beim General-Anzeiger mittelfristige Planungsrunden, früher sei mehr von der Hand in den Mund gelebt worden.

Das Plenum will es genauer wissen: Wird der Outlookkalender von den Außenredaktionen mit eingepflegt? Dem Bonner General-Anzeiger war es wichtig, dass alle mitwirken, sagt Manhold. „Wenn Editoren oder Reporter denken, dass sie die Handlanger des anderen sind, kann das nicht funktionieren“. Dass alle mit Mails und Kalender arbeiten, Termine sehen und verteilen können, sei ein wichtiger Moment der gemeinsamen Identität im Arbeitsalltag. Die Editoren sortieren die Termine vor, entscheiden, was als Termin gelten könnte, und versehen ihn mit einem blauen Button. Manhold betont, dass Editoren auch schreiben könnten, und es ebenfalls wichtig sei, dass die Reporter – auch die Chefreporter – an der Gestaltung beteiligt werden, damit diese es nicht „verlernen“. „Insofern ist es ganz gut, dass die beim Sonntagsdienst mitmachen müssen“, sagt Manhold und lacht.

Die Größe setzt Grenzen

Das System habe aber auch Grenzen. Manhold meint, dass bei einem sehr großen Verbreitungsgebiet mehrere Regiodesks sinnvoll seien. Eine Gruppe von zehn Personen pro Desk findet er genau richtig. „Aber man muss sich natürlich erst einarbeiten“. Und jetzt kommt die Diskussion zum Kern: War der Bonner General-Anzeiger auch aus Spargründen auf den Regiodesk angewiesen? Ging der Umbau auf Kosten von Stellen? „Ich kann nicht sagen, dass wir personell gespart haben. Aber neue Leute haben wir auch nicht eingestellt“, sagt Manhold. Also hat man mit den Leuten gearbeitet, die da waren. „Am Anfang wollten alle Reporter werden. Heute merken die Kollegen, dass die Editoren auch gelegentlich zum Schreiben kommen – und sehr strukturierte Arbeitszeiten haben. Das finden manche gar nicht schlecht“, erzählt Manhold.

Aber würde man den Desk deshalb als Chance für den journalistischen Nachwuchs sehen? Laut Manhold sei seit dem Desk eine unglaubliche Dynamik in die Redaktion gekommen. Gleichzeitig habe sich die Möglichkeit verbessert, sich auf einen Bereich zu spezialisieren. Aus Editoren seien Lokalchefs geworden, aus Reportern Editoren.

Ob die Arbeitsgruppe in den nächsten Tagen zu ähnlichen Ergebnissen kommen wird? Mal sehen.

 

Sabrina Gaisbauer

Sabrina Gaisbauer ist Referentin bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

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