Werkstattbericht: Mit dem Camper durch die Staaten

Abenteuerreise im Namen des Journalismus: Warum nicht einfach mal alle 28 EU-Länder in 82 Tagen vor der Wahl bereisen, Land, Leute und Politik kennenlernen? Für Euranet ist diese Tuchfühlung mit dem Staatenverbund keinesfalls Utopie. Bei dem Europäischen Radionetzwerk gehören solche Reportagen zum realistischen Ideenpool für die Wahlberichterstattung, sagte Uwe Wollgramm an diesem Donnerstag auf dem bpb-Seminar „Europa lokal“ bei den „Werkstattberichten“. Im „Euranet“ sind über ein Dutzend Hörfunksender aus ebenso vielen EU-Staaten für eine bessere Berichterstattung von und über Europa zusammengeschlossen. Wollgramm ist Geschäftsführer der Agentur ams, die deutschprachige Beiträge mitproduziert, und Vorsitzender der Europäischen Wirtschaftlichen Vereinigung (EWIV) Euranet plus.

Euranet ist auf die EU-Bericherstattung, ja -aufklärung spezialisiert, und die Produzenten kommen vom Fach, im Falle von Wollgramm, von Radio Bielefeld. Die Sender sind zwar verpflichtet, den „Service“ anzunehmen, er muss aber dennoch wissen, wie das Angebot unter die Leute kommt; dazu gehören News, Servicebeiträge, „unterhaltsame Erklärstücke“, ein EU-Wochenrückblick, die Medienschau Europa und Magazinsendungen. Nicht alle Ideen sind so teuer der Europa-Trip zur Wahl, und von einigen können auch Lokalredaktionen profitieren. „Für das Lokale ist zum Beispiel SEPA interessant, weil jeder davon betroffen ist“, sagte Wollgramm. Oder die örtliche Verwendung von EU-Fördergeldern, wie Sozialfonds. Hier könnte man recherchieren, wie örtliche Unternehmer oder Bürger versuchen, ihre Interesse durchzusetzen; das würde nicht nur Lobbyismus, sondern auch Bürgerbeauftragte einschließen. Und zur Wahl? Da müsse erstmal Grundsaufklärung geleistet werden, über die Bedeutung, Verfahren, Kandidaten und Programme. Ähnlich wie bei der Bundestagswahl. Um überhaupt zu vermitteln, wieso die EU jemanden interessieren sollte, würde sich auch eine Reportage über Studieren, Arbeiten und Leben in der EU anbieten – vor allem auch darüber, wo EU-Gesetzgebung in diesen Alltagen versteckt ist.

Sabrina Gaisbauer

Sabrina Gaisbauer ist Referentin bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

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