„Wir erleben eine digitale Sintflut“

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Christian Hasselbring erklärt den Teilnehmern die Vorzüge des Pay-per-use Bezahlsystem

Christian Hasselbring von Laterpay räumt bei den Seminarteilnehmern mit dem Mythos auf, User seien nicht bereit, für gute Inhalten im Internet zu bezahlen. Doch bevor er auf das Pay-per-use Bezahlsystem eingeht, führt er den Seminarteilnehmern die Gefahren und Potenziale des digitalen Wandels vor Augen. 

Präsentation von Hasselbring Digitaler Darwinismus und Lokaler Journalismus

Hasselbrings Leseempfehlung ist das Buch „Digitaler Tsunami“, das die Zusammenhänge zwischen Reichweitenaufbau und Verteilung von Geld prägnant schildere. „War’s das? Ein Tsunami ist ja schließlich irgendwann vorbei…“, fragt er. Die Antwort hat er selbst parat: „Nein! Wir erleben stattdessen eine digitale Sintflut: Das Digitale wird in jeden Winkel des Lebens vordringen“. Die digitale Flut bestehe aus Apps und Anwendungen, die direkt ins Hyperlokale reichen; kontrollierter Alltag durch Running Apps, Apple Watch und Co.

Die Hoffnung, in der Arche Noah des Qualitätsjournalismus im Trockenen zu bleiben und damit Geld zu verdienen, hält er für verkehrt. Auch die Hoffnung, ohne Bezahlmodelle mit Journalismus Geld verdienen zu wollen. Ein Umdenken sei somit unumgänglich.

Hyperlokalität des Journalismus als Lösung

Wenn man sich nicht vor der Flut retten kann, sollte man mitschwimmen. Eine Strategie liegt Hasselbring zufolge in der „Hyperlokalität des Sozialen, des Wissens, der Informationen – also des Journalismus“. Große Medienkonzerne werden das globale und überregionale immer mehr vereinnahmen.

Eine weitere Erfolgsaussicht stelle die immer genauere Identifikation von Usern und der eigenen Zielgruppe dar. Lokale Videovermarktung biete sich beispielsweise für die Lokalreporter an. Hier solle das Feld nicht freiwillig den Digital-Giganten wie Apple und Google überlassen werden.

Das erfordere aber auch von den Journalisten, dass sie selbst sich des digitalen Wandels nicht verwehren. Denn die Gesellschaft sei längst vollkommen digital. Wer heutzutage nicht bei Facebook, Twitter und Instagram aktiv ist, werde seinem Job nicht mehr gerecht, meint Hasselbring. Auch hinter der Social Media Aktivität müsse aber eine gut geplante Strategie stecken.

Die Seminarteilnehmer sehen diese Entwicklung allerdings kritisch. Die Überwachung und Verwendung von Leserdaten auf Social Media Plattformen habe einigen Journalisten in ihren Redaktionen schon Probleme bereitet. Dem setzte Hasselbring entgegen: „Der Feind, den man nicht kennt, wird man auch nicht bekämpfen können“. Und auch wer die Leser für die digitale Überwachung sensibilisieren wolle, müsse sich auf diesem Feld auskennen.

Das Potenzial, so direkt wie möglich mit Kunden zu kommunizieren, biete unglaublich viele Vorteile auch für Händler, die den Lokaljournalismus in Ansätzen überflüssig machen. Auch aus diesem Grund dürfe man sich den sozialen Medien nicht entziehen, um nicht unterzugehen.

„Jetzt geht’s ums Geld“

„We need a one-click system with a really simple interface that will permit impulse purchase […]“ ()

Es gebe derzeit verschiedene Bezahlmodelle. Weit verbreitetet ist einerseits eine Paywall mittels Abonnements oder ein Freemium-Konzept mittels eines Club-Prinzips. Allen gemein sei jedoch der Ausschluss von Usern. Die Registrierung schrecke viele ab. „Bevor du meine Inhalte liest, sammele ich deine Daten“, kommt bei ihnen an. Hasselbring öffnet einigen Seminarteilnehmnern die Augen, denn auch Abo-Modelle machen im Prinzip nichts anderes als, das was sie bei Google und Apple anprangern.

Heutzutage bekomme der User meist „die komplette Kuh angeboten. Vielleicht wollen sie aber erstmal nur ein Glas Milch“. Mit Laterpay könne diese Flexibilität erreicht werden, indem dieser Variante ein „Pay Per Use“ Verfahren zugrunde liegt.

User kommen dabei auf eine Seite, und muss den AGBs und dem, dass sie jetzt lesen und später zahlen, zustimmen. Diese Rechnung wird auf einen virtuellen Bierdeckel geschrieben. Die Rückverfolgung gewährleisten Cookies. Wenn 5€ erreicht sind, kommt laterpay auf die User zu, mit der Bitte (!) um Registrierung und Bezahlung.

„Und wenn ich nicht bezahle?“, fragt eine Seminarteilnehmerin. Hasselbring entgegnet knallhart: „Dann bist du ein Arsch“. Das mache im Restaurant schließlich auch keiner. Trotzdem müsse dieses Prinzip erst erlernt werden.

Laterpay-als-Bezahlmodell

Ein Seminarteilnehmer befürchtet, dass die Bereitschaft geringer sei, weil kein direktes Gegenüber die Zahlungsverweigerung mitbekommt. Hasselbring räumt diese Bedenken aus dem Weg, da die Statistik zeige, dass nur ein verschwindend geringer Anteil der Nutzer am Ende nicht zahle.

„Adblocker sind ein dramatisches Problem“ (Christinan Hasselbring)

Ein weiteres großes Problem ist, dass Webseiten, die von Usern mit Adblockern genutzt werden, in diesem Moment kein Geld verdienen. Die User müssen von der Notwendigkeit überzeugt werden, Adblocker zuzulassen. Es gibt auch die Möglichkeit, User mit einem Pop-Up darauf hinzuweisen, den Adblocker zu deaktivieren oder für einen werbefreien Zugang zu bezahlen.

Positiv Beispiel von Later-Pay:

Nutzen könne man das Pay-per-use-Verfahren auch für das „gute alte Longtail-Prinzip“. Artikel, die dauerhaft in Suchmaschinen auftauchen, können auch nach Monaten immer noch gelesen – und bezahlt werden. Der Hauptumsatz ist zwar in der Anfangszeit gemacht, aber über die Zeit läppern sich die Beträge zusammen.

Klar gebe es auch viele andere Pay-per-Use-Bezahlsysteme, räumt Hasselbring ein. Keines davon sei aber so einfach anzuwenden und zu integrieren wie Laterpay.

20 Jahre kostenlose Versorgung mit Inhalten habe Spuren im Nutzungsverhalten hinterlassen. Paid Content dürfe nicht als Funktion, sondern müsse vielmehr als Produkt gesehen werden, bei dem Webseiten genau überlegen, wie sie User auf ihre Angebote locken, sagt Hasselbring.

„Alles ist nichts wert, wenn die Menschen euch nicht finden“. Wo sind eure Vertriebs- und Marketingkonzepte. Trotzdem forderte Hasselbring von den Anwesenden Geduld und Mut bei der Vermarktung ihrer Inhalte.

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