Workshops: Chancen und Herausforderungen für große Redaktionen

PANEL 1: Erfolg durch Wandel

Unter dem Motto „Erfolg durch Wandel“ haben sich führende Lokaljournalistinnen und Journalisten den Chancen und Herausforderungen für große Redaktionen angenommen. Was vielleicht auf den ersten Blick allgemein klingen mag, wird schnell konkret. Moderiert wird das Panel von Sylvia Binner, CvD des General-Anzeigers (Bonn). Inputgeber waren Michael Husarek, stellvertretender Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten, und Dr. Sarah Brasack, stellvertretende Lokalchefin Köln beim Kölner Stadt-Anzeiger.

Panel: Erfolg durch Wandel. (c) Fabian Scheuermann

Panel: Erfolg durch Wandel. (c) Fabian Scheuermann

 

 

 

 

 

 

 

Vernetzung
Austausch mit anderen KollegInnen innerhalb und außerhalb des eigenen Hauses ist gewinnbringend und erkenntnisreich.

  • Zum Beispiel kann eine Redaktion mit der Redaktion eines anderen Medienhauses darüber sprechen, wie jeweils bestimmte Themen angegangen werden.

 

Horizonterweiterung
Sämtliche KollegInnen müssen kanalübergreifend denken.

Neuen digitalen Angeboten muss mehr Aufmerksamkeit zukommen.

  • Dr. Wolfram Kiwit, Chefredakteur der Ruhr Nachrichten berichtet davon, dass die Redaktion jetzt das Tool „CleverReach“ für den Newsletter nutzt und dass dieses enorm erkenntnis- und hilfreich für ihre Arbeit sei. „Dank dieses Tools weiß ich, wer wann den Newsletter und welche Artikel davon liest.“

Regelmäßige Besuche von Veranstaltungen erweitern den Horizont.

  • Beispiel Republica: Uwe Renners, Ressortleiter Digital/Online beim Nordbayerischer Kurier, betont, dass diese Veranstaltung dafür prädestiniert sei, neue digitale Angebote kennenzulernen. Dr. Wolfram Kiwit, empfiehlt den Besuch der Republica noch aus einem anderen Grund: „Allein diese digitale Aufbruchstimmung dort beflügelt ungemein“, so sein Fazit.
  • Beispiel Gamescom: Dort gibt es zahlreiche Vorträge, die auch für Lokaljournalistinnen und -journalisten gewinnbringend sein können. Monika Jäger, Lokalchefin beim Mindener Tageblatt, betont: „Klar, es ist eine andere Welt, die aber eigentlich viel mehr mit uns zu tun haben sollte, weil sie in gewisser Weise doch mit dem Lokaljournalismus verbunden ist.“ Bestes Beispiel hierfür sind die 360-Grad-Videos, die nun verstärkt im Lokaljournalismus genutzt werden, ursprünglich aber aus der Spieleszene kommen.

Von internen und externen Fortbildungsmaßnahmen profitieren alle Beteiligten.

  • Beispiel „Digitaler Dienstag“, internes Schulungsprogramm beim Kölner Stadt-Anzeiger: „Jeden Dienstag gibt es eine hausinterne Fortbildung, die vor allem von den Kolleginnen und Kollegen der Onlineredaktion gestaltet wird“, berichtet Sarah Brasack. Insgesamt sei die gesamte Redaktion dadurch digitaler aufgestellt.
  • Beispiel Mindener Tageblatt: Alle PrintkollegInnen sind dazu verpflichtet, ein einwöchiges Praktikum in der Onlineredaktion zu machen. „Damit soll ein Perspektivwechsel und ein Verständnis für die Arbeit der Anderen geschaffen werden“, so Monika Jäger.

 

Nachwuchs
Man muss sich verstärkt um den talentierten Nachwuchs bemühen.

  • Peter Burger, stellvertretender Chefredakteur der Rhein-Zeitung, sagt, dass Bewerbungen innerhalb von maximal zwei Wochen bearbeitet werden, „damit wir die Besten auch möglichst schnell ins Boot holen“. Zudem würden alle Volontierenden von MentorInnen betreut werden.

 

Qualität
Kriterien anhand derer die Texte regelmäßig überprüft werden, steigern die Qualität. Zwei Beispiele: Regionalisierung und Erkenntnisgewinn.

 

Neue Zielgruppen/ Neue Angebote
Zugewanderte stellen beispielsweise eine der neuen Zielgruppen dar, die man für sich gewinnen sollte. Wenn man diese Zielgruppen direkt anspricht, sind diese auch bereit, für das journalistische Angebot zu zahlen.

 

PANEL 2: Zukunftsbericht 4.0
Wie lässt sich der Wandel in großen Redaktion gestalten? Welche Themen werden uns in Zukunft beschäftigen? Katharina Ritzer, Newsdesk-Managerin bei der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ), und Ralf Freitag, Geschäftsführer und Bereichsleiter Medien und Kommunikation beim Lippischen Zeitungsverlag Detmold, geben im Panel „Zukunftsbericht 4.0“ Impulse – und diskutieren mit zwei Arbeitsgruppen Herausforderungen und Potenziale. Joachim Braun, Chefredakteur der Frankfurter Neuen Presse, moderiert.

Pane: Zukunftsbericht 4.0. (c) Fabian Scheuermann

Pane: Zukunftsbericht 4.0. (c) Fabian Scheuermann

 

 

 

 

 

 

 

Koordination in der arbeitsteiligen Redaktion
Kommunikation ist alles: Chat Tools gehören zu den wichtigsten Werkzeugen, um den Tagesablauf in der Redaktion zu organisieren.

  • Bei der NOZ steuert der Newsdesk die Produktion. Diese hat reine Online-Reporter und sogenannte Ad-hoc-Reporter, die schnell reagieren müssen und oft aus dem Print-Bereich kommen. Koordination ist gefragt: „Wir arbeiten mit HipChat. Das neue große Ding ist allerdings Slack. Das ist sehr hilfreich.“ Desknet wird hingegen für längerfristige Planungen genutzt.

 

Inhaltliche Fronten in der Redaktion
Während bei vielen Redaktionen noch ein Graben zwischen Online und Print verläuft, liegen die Konfliktlinien der Zukunft zwischen Editoren und Reportern.

  • Die Verlagsgruppe Rhein-Main hat etwa einen gesplitteten Desk; einmal einen Newsdesk, an dem Mantelseiten bestückt und Agenturmeldungen gesichtet werden. Daneben gibt es einen Lokaldesk. Die zentrale Arbeitsteilung besteht zwischen Editoren, die nur am Desk arbeiten, und Reportern, die ins Feld gehen und Material mitbringen.

 

Organisation des Fortschritts
Wer etwas verändern möchte, sollte ein Team von fünf, sechs Leute bilden, das gemeinsam ein Ziel hat – und die Mitglieder in Inhouse-Seminaren schulen.

  • Ralf Freitag habe gute Erfahrungen damit gemacht, Think-Tank-Teams einzuführen, die gemeinsam Ideen erarbeiten und mit der Chefredaktion und der Geschäftsführung zu diskutieren. Auch der Relaunch beim Lippischen Zeitungsverlag wurde mit Hilfe der Team-Ergebnisse vorbereitet. Der Vorteil von Arbeitsgruppen ist seiner Meinung nach, dass sich die Leute am Ende in den Ergebnissen wiederfinden.


Zusammenarbeit auf Entscheidungsebene
Lokalchefs, Online-Chefs und CvDs in der täglichen Arbeit zusammenzubringen, kann helfen, Innovationen leichter umzusetzen – mit Problemen ist zu rechnen, da der Rollenwechsel vom schreibenden Reporter zum Koordinator schwer fallen kann.

  • „Bei mir ist der Lokalchef kein Schreiberling. Sondern jemand, der die Redaktion nach vorne bringt. Diese Umstellung gehörte für viele zu den langwierigsten“, berichtet Freitag.

 

Lokalkompetenz würdigen
Allem Effizienzstreben zum Trotz: Layout und Themensetzung im Blatt basieren auf lokaler Kompetenz. Nur ein Lokalchef aus der Region sollte bestimmen können, wie sich die Seite in der Produktion thematisch zusammensetzt.

  • Mehrere Teilnehmende berichteten, dass dies bei ihnen nicht so sei, und es Probleme gegeben habe, etwa „weil jemand den Bürgermeister nicht kannte oder nichts über die kleinen Gemeinden in der Umgebung wusste – und sie versuchen, aus dem Fehler zu lernen.“

 

Personalpolitik in Zeiten des Wandels
Wenn langjährige Mitarbeiter neue Aufgaben übertragen bekommen, sollte die Führungsebene mit ihnen gemeinsam neue Stellenprofile definieren – und Handlungsspielraum zulassen.

  • „Wichtig ist, dass sich die Leute am Ende damit identifizieren können.“ Dazu gab es dann neue Stellenprofile.

 

Qualitätssicherung
Nicht crossmediale Produktion ist das Thema der Zukunft, sondern Qualitätssicherung. Viele Zeitungen konzentrieren sich extrem auf digitale Trends und setzen dafür verschiedene Tools ein.

  • „Wir machen uns doch über den Leser lustig, wenn wir Pressemitteilungen verschlimmbessern, und unter Zeitdruck dann auch noch Namen falsch schreiben. Und von solchen Berichten kann ich jeden Tag zwei Stück im Blatt finden“, sagte eine Teilnehmerin.
  • Ein anderer Teilnehmer hat gute Erfahrungen mit dem Tool Storyplanner gemacht. Welche Bebilderung, welche crossmedialen Elemente, welche und wie viele Quellen – all das muss im Storyplanner eingegeben werden. „Ein-Quellen-Geschichten würden bei uns sofort auffliegen.“

 

Besseres Recruiting für bessere Journalisten
Die Journalisten von heute und morgen müssen besser sein als die Journalisten von gestern, sie müssen vielseitiger gebildet und offener sein. Damit guter Nachwuchs geworben werden kann, müssen die Arbeitsbedingungen im Journalismus insgesamt verbessert werden, vor allem die Bezahlung und die Bleibeperspektiven. Denn viele junge Journalisten legen Wert auf eine abgesicherte Zukunft und wollen persönliche Risiken minimieren.

  • Der Lippische Zeitungsverlag bietet mit der Fachhochschule des Mittelstands einen dualen Master an, dessen Praxismodule finden im Verlag statt. Er sei sehr zufrieden, sagt Freitag. Katharina Ritzer, aber auch andere Teilnehmer, berichteten zudem vom schwindenden Experimentiergeist vieler Volontäre, kritisierten aber auch selbstkritisch, dass diese von der Routine der alteingesessenen Redakteure eingeengt würden.

 

Zielgruppen bestimmen
Journalisten schreiben zu häufig über Themen, die sie selbst interessieren, statt über Themen, die ihre Leser interessieren. So verschwenden sie Ressourcen. Zielgruppenforschung ist wichtig, um Online-Formate auf die Leser zuschneiden zu können.

  • Die NOZ hat ihre Zielgruppe nach Altersgruppe und sozialem Status unterscheiden lassen, ähnlich wie in der Sinus-Studie.

 

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