Gedruckte Zeitung als visuelles Erlebnis

Kuepper

Der Zeitungsdesigner Norbert Küpper in Aktion


Ästhetisches Gespür ist Trumpf: Nicht nur neue Medienformate wie redaktionelle Apps und Bewegtbildformate im Online-Bereich fordern Redakteure gestalterisch heraus. Zeitungsdesigner Norbert Küpper liefert in seinem Vortrag „Best of European Newspapers“ ein Kontrastprogramm zur aktuellen Diskussion über die redaktionellen Herausforderungen durch die Digitalisierung. Stattdessen steht die gedruckte Zeitung im Fokus: Was macht eine Print-Zeitung für den Leser heute attraktiv, welche Trends im Zeitungsdesign lassen sich erkennen und wie können Redaktionen ein ansprechendes Layout umsetzen?

Es lohne sich, in die gedruckte Zeitung zu investieren, davon ist Norbert Küpper überzeugt. Bereits 181 Neugestaltungen von internationalen Zeitungen hat er bislang begleitet. Gleichzeitig beobachtet er als Initiator des „European Newspaper Award“ stetig die Entwicklungen auf dem Printmarkt. Inhaltliche Qualität dient aufgrund der stetig wachsenden Online-Konkurrenz schon lange nicht mehr als alleiniges Verkaufsargument: „Wir verkaufen unsere gute Ware etwas unter Wert“, betont der Experte und gibt den Journalisten gleich Handlungsempfehlungen für die grafische Umsetzung in den Redaktionen mit auf den Weg.

Bildsprache, klare Strukturen und Liebe zum Detail

Gemäß dem Slogan, „wenn ich die News wegnehme, dann habe ich nur noch Papier“, darf in den Redaktionen nicht die Verdrossenheit über die Schnelligkeit und Aktualität des Internets vorherrschen. Vielmehr gilt es, in der gedruckten Zeitung auf exklusive Inhalte zu setzen – eingebettet in ein aktiv gestaltetes und optisch ansprechendes Design. Im Lokalen zeichne sich dieses laut Küpper durch lokalen Themen als Aufmacher auf der Titelseite, den Einsatz von Coverstories, die Vertiefung lokaler Themen, die Liebe zum Detail und eine klare Hierarchie der Themen aus.

Mut zu unbedruckten Freiflächen

„Keine Angst vor Freiflächen!“ lautet das Credo: „Ein großzügiges Layout lässt eine Zeitung deutlich wertiger und teurer aussehen“, betont Küpper. Inspiration durch das Layout von Zeitschriften ist hier durchaus erwünscht. Erlaubt ist alles, was das ästhetische Empfinden des Lesers anspricht. Das reiche von bildbetonten Layout mit qualitativen, großflächigen Bildern hin zur visuellen Aufbereitung von Inhalt durch Illustrationen, Infografiken und Ergänzungsboxen. Damit einher geht der anhaltende Trend zur Umstellung vieler Tageszeitungen auf das Tabloid-Format.

Als Inspiration dient vor allem die skandinavischeZeitungslandschaft. Denn, „ab Flensburg nordwärts geht es gestalterisch bergauf“, sagt Küpper. Die norwegische Lokalzeitung Hallingdolen etwa beschäftige doppelt so viele Grafiker als schreibende Redakteure und mache deutlich, welchen Stellenwert dem Design bei nordischen Zeitungen zugeschrieben wird.

Die Verantwortung liegt bei den Redakteuren

In deutschen Lokalredaktionen ist also vorrangig das ästhetische Bewusstsein der Redakteure gefordert. Das Entwickeln kreativer Ideen, das Visualisieren dieser Ideen als auch die Implementierung der Gestaltung im Redaktionssystem beschreibt Küpper als die notwendigen Voraussetzungen für die Gestaltung ansprechender Printausgaben. Gleichzeitig werde den Redaktionen auch die Möglichkeit zu Teil, Fotografen und Mediengestalter einzusetzen oder mit einer externen Agentur zusammenzuarbeiten.

Die Inspiration durch europäische Trendsetter kann deutschen Lokalredaktionen den Weg zu einem schöneren Design ebnen. Das Rad muss nicht neu erfunden werden: Viel wichtiger ist es, den eigenen Blick zu weiten, Inspiration zu sammeln und diese dann aktiv umzusetzen, um den Lesern so ein attraktives visuelles Zeitungserlebnis zu schaffen.

Text: Julia Zinner

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