Berthold L. Flöper und Ekkehard Rüger bei der Eröffnung.

Begrüßung: Ein innovatives Konzept und der schönste Job der Welt

Die Redaktionskonferenz Lokaljournalismus 4.0. beginnt mittendrin: in der Praxis. Anstatt eine Rede zu halten, begrüßt Berthold L. Flöper, Leiter des Lokaljournalistenprogramms der bpb, seinen ersten Gast. Einen ungewöhnlichen Gast: Ekkehard Rüger, Redakteur der Westdeutschen Zeitung in Burscheid, Gewinner des Wächter- und des Deutschen Lokaljournalistenpreises. Warum ungewöhnlich? Rüger ist Alleinredakteur, einer der wenigen in Deutschland. Er produziert täglich zwei bis drei Seiten, allein. Wie er das schafft?

„Manchmal gar nicht“, sagt Rüger und lacht. Zumindest befürchte er das von Zeit zu Zeit.

Am besten geht es, sagt er, wenn er einerseits seine Vorstellungen von gutem Journalismus bewahrt. Andererseits aber schmerzfrei genug ist, einzusehen, dass er sich mitunter von zu hohen Maßstäben verabschieden muss.

Ob das ein Zukunftsmodell ist, fragt Flöper.
Er glaube manchmal, man habe ihn vergessen, sagt Rüger und lacht. Obwohl, räumt er ein, die Nähe, die seine Arbeit ausmacht, die sei schon ein Zukunftsmodell. Man müsse sie herstellen – und in andere, klassischere Arbeitsmodelle integrieren.

Als Alleinredakteur neige er zu einer gewissen Art von beruflichem Autismus, sagt Rüger. Das sei einer der Gründe, warum er heute hier ist: für den Austausch, um über den Tellerrand zu schauen. „Und um zu sehen, dass andere Lokaljournalisten mitunter dieselben Probleme haben wie man selbst.“

Dann dreht er den Spieß um, wird zum Interviewer. Was denn das Konzept der Konferenz sei, fragt er Flöper. Und überhaupt: Was ist das eigentlich, dieses „4.0“?

Berthold L. Flöper

Berthold L. Flöper, Leiter des Lokaljournalistenprogramms der bpb. (c) Ann-Kristin Schöne

Der Begriff, erklärt Flöper, kommt aus der Industrie und müsse als Metapher verstanden werden. Im Lokaljournalismus stehe er vor allem für eines: Vernetzung.

Das Innovative an der Konferenz?
Unterschiedliche Redaktionen haben unterschiedliche Probleme. Deswegen gibt es auch separate Workshops: für kleine wie für größere Redaktionen.

Es folgen ein paar Worte zum Lokaljournalistenprogramm der bpb.
Flöper versteht sich und sein Team als „ehrliche Makler“. Es gehe darum, Leute zusammen zu bringen, den Austausch zu fördern. Und das nicht am runden Tisch, sondern in Workshops, wo sich die Kollegen ihre Kenntnisse selbst erarbeiten. Dabei habe man in den 40 Jahren, in denen das Programm bereits besteht, den Lokaljournalismus entschieden nach vorn gebracht.

Am Ende stellt Rüger Flöper noch eine „Wohlfühlfrage“, ihm, der neben Dieter Golombek als „Godfather des Deutschen Lokaljournalismus“ gelte: „Warum ist es für junge Leute auch heute noch toll, Lokaljournalist zu sein?“

Er könne ältere Kollegen, die von früher schwärmen, nicht mehr hören, antwortet Flöper. Früher war alles besser? Vielleicht was die finanzielle Versorgung angeht. Aber im Hinblick auf die Qualität? Das wage er zu bezweifeln. Doch es waren nicht nur Golombek und er, die den Lokaljournalismus entschieden vorangetrieben haben. Es waren vor allem die vielen Projektteams.

Er könne jeden nur ermutigen, den Beruf zu ergreifen, sagt Flöper. „Lokaljournalismus ist der schönste Job der Welt. Gleich hinter dem Papst!“

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