„Der Lokalredakteur ist soziales Medium“

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Podium zum Thema Changemanagement

Klare Worte auf dem Podium zum „Change Management“. Wandel bedeutet auch Schmerz, und wer laut dem RP-Chefredakteur Michael Bröcker nicht mitzieht, muss eben gehen.

Wie funktioniert erfolgreicher Wandel? Dieser Frage stellen sich die ersten Podiumsgäste am zweiten Tag des Forum Lokaljournalismus. Es diskutieren die Praktiker Ralf Freitag, Geschäftsführer Medien und Kommunikation der Lippischen Landes-Zeitung, und Chefredakteur der Rheinischen Post Michael Bröcker, sowie die Change-Managerinnnen Brigitte Schwinge von p4d/partnership for development und Nicole Hanisch, stellvertretende Geschäftsführerin rheingold salon, der kürzlich eine tiefenpsychologische Studie zum Mediennutzungsverhalten veröffentlicht hat. Wandel, so sind sich Podium und Publikum einig, ist kein linearer Prozess, er vollzieht sich permanent, ohne Atempause.

„Wandel geht am besten, wenn sich die Chefredakteure rausziehen“, findet Bröcker. Sein Team arbeitet beispielsweise gerade an unterschiedlichen Apps. Er skizziert etwas Aufbruchgeist von Silicon Valley in Düsseldorf: Seine gemischten Teams würden sich auch in Co-Working-Spaces treffen, wo es sich vielleicht leichter darüber nachsinnieren lässt, was sich beispielsweise junge Leser von der RP erwarten. Auf den Plan stehe gerade eine „sexy und einfach zu bedienende“ Swipe-App – mit Ausgeh- und Freizeittipps. Das Silicon Valley in Detmold, wo Ralf Freitag von der Lippischen-Landeszeitung Innovation vorantreibt, sei nicht in abgeranzten Garagen, wohl eher im Wald. Nachgedacht wird trotzdem in der Redaktion, wo man darauf bedacht ist, nicht nur die Redakteure mitzunehmen, sondern den gesamten Verlag. „Das was wir machen, ist nicht nur ein Redaktionsprojekt, sondern ein Verlagstprojekt“, sagt Freitag und Change Management sei immer auch Konfliktmanagement: „Natürlich haben wir durch den Change Neidprozesse, da gibt es auch große Skepsis.“

Change Impulse müssen von allen kommen

Change Managerin Brigitte Schwinge rät dazu Dialoge unter den Mitarbeitern zu etablieren: „Es muss möglich sein, dass man artikulieren kann, was einen Angst macht – und: bilden Sie gemischte Teams!“ Doch auch gemischte Teams würden nichts bringen, wenn nicht alle Mitarbeiter von dem Wandel überzeugt wären, meint Bröcker. Die RP habe im vergangenen Jahr Print- und Onlineredaktion zusammengelegt, er erzählt am Podium von Mitarbeitergesprächen: „Wenn ich merke der Redakteur brennt nicht dafür, dann spielt der auch keine Rolle mehr.“ „Man kann fragen, wofür brennst du denn eigentlich“, beschwichtigt Schwinge, „oft kann das dann im Rahmen des Printjournalismus helfen.“ „Vergesst die Online-Print-Kämpfe“, heißt es daraufhin von Bröcker auf dem Posium: „Wir müssen eine systematische Struktur schaffen, mal einen „Digital Day“ bzw. einen „Reporter Day“ einführen, damit die verschiedenenen Redaktionen übereinander nachdenken.“ Die Impulse müssten aus der Gesamtredaktion kommen.

Laut der Studienautorin Nicole Hanisch vom rheingold salon gebe es beim Nutzungsverhalten von Print und Online keine großen Unterschiede. Der rheingold salon hat 48 Personen zwischen 20 und 60 Jahren zwei Wochen lang bei ihrem Surfverhalten getrackt – und sie danach auf die Couch gelegt: 48 tiefenpsychologische Interviews wurden geführt. Ein wichtiges Ergebnis: Print und Online würden Hand in Hand gehen. Da es in der heutigen Zeit keine rythmisierten Pausen wie ein gemeinsames Mittags- oder Abendessen geben würde, sei die Nachfrage nach der „Zeitung to go“ groß. Hanisch führt auch unterschiedliche Nutzungstypen an – wie etwa den „Local Hero“, der durch und durch mit seinem Ort verbunden sei. Für einen anderen Nutzungstyp ist „local mehr social“. Er identifiziere sich eher mit einer Community, mit Personen anstelle einer Stadt. Beide Gruppen würden jedoch wunderbar lokal bedient werden können. Dass RP-Online wächst, führt Bröcker beispielsweise darauf zurück, dass die Seite lokalen Unique Content habe: „Der Lokalredakteur ist das soziale Medium, nicht Google oder Facebook. Er ist vor Ort vernetzt.“

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